
Wenn ich mir jetzt ein neues Auto kaufen müsste, dann würde ich am liebsten sofort in ein E-Mobil steigen. Kein Diesel, kein Benziner: einfach an der Steckdose aufladen, an der sonst der Toaster hängt und dann ab auf die Straße. Mit gutem Gewissen und ohne CO2.
Nur ist das leider alles nicht so einfach. Erstens: Es gibt kaum ein rein elektrisch betriebenes Auto zu kaufen. Auch wenn uns das die großen Autobauer wie etwa VW schon seit Anfang des Jahres versprechen. In wunderbaren Werbekampagnen, auf denen Stecker, Stroh und ähnlich grün-angehauchte Motive zu bewundern sind. Von Autos, die zu dieser Werbung passen, aber fehlt in Wolfsburg und in den anderen Autostädten jede Spur.
Okay, ich könnte mir ja einen Th!nk zulegen. Wie, kennen Sie nicht? Kein Wunder, denn das Auto wird irgendwo in Norwegen zusammengeschraubt, von Öko-Idealisten, die wahrscheinlich ziemlich knapp bei Kasse sind und deswegen nie adäquat für ihr an sich gutes Produkt werden werben können. Außerdem hätte ich – ehrlich gesagt – eine Heidenangst, in einem solchen Elefantenrollschuh durch die Großstadt zu zuckeln und womöglich mir nichts, dir nichts von einem monströsen SUV oder Lkw überrollt zu werden.
Einen Tesla Roadster vielleicht? Oder einen Audi etron? Da gehöre ich definitiv nicht zur Zielgruppe, fürchte ich: Zweisitzer, schnittig, eher was für solvente Singles, Anwälte oder Zahnärzte, deren Kinder längst aus dem Haus sind.
Dann schon eher einen e3. Dieses Auto stammt von der Oldenburger EWE, einem findigen Energieversorger, der sich sein E-Auto einfach selber baut. Zusammen mit Karmann aus Osnabrück, einem Zulieferer, der kürzlich erst von der Auto-Weltmacht VW geschluckt wurde. Und das Schöne: Der Wagen ist größer als ein Bobby-Car und sieht ziemlich futuristisch aus.
Aber selbst wenn der e3 jetzt schon zu haben wäre, dann gäbe es immer noch ein kleines Problem. Die Infrastruktur nämlich. Zwar gibt es überall Steckdosen im Land, aber wer lässt mich an meinem Zielort oder auf dem Weg dorthin mal eben für fünf oder mehr Stunden an seine Steckdose, nur weil ich wieder nach Hause will?
Außerdem wäre es wünschenswert, nur Ökostrom zu tanken. Klar, denn sonst würde ich nämlich CO2 aus dem Kohlkraftwerk emittieren. Und überhaupt: Was mache ich, während mein Auto aufgeladen wird? Bei McDonald’s Musikvideos gucken und Fast Food verschlingen? Im Regen die Beine in den Bauch stehen? Oder nur so zum Zeitvertreib shoppen gehen bis die Kreditkarte glüht?
Es muss also noch ganz schön viel passieren in den nächsten zehn Jahren bis 2020, wenn, so wie es die Bundesregierung will, schon 1 Million Elektroautos über deutsche Straßen rollen…
Letzte Kommentare