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Gigawattstunden Strom exportierte Deutschland 2011 ins Ausland. (Quelle: BDEW)

Aus der Sängerin und Musikerin Jule wurde Julia Neigel

"Ich achte auf meine Energie!"

Die Sängerin und Musikerin Julia Neigel.

Mit ihrem richtigen Vornamen zurück in die Zukunft. Zehn Jahre hörte man von Julia Neigel nur Hiobsbotschaften. Mit ihrem neuen Album „Neigelneu“ läutete sie ein furioses Comeback ein.

Zehn Jahre lang hörte man wenig von Ihnen, was war los?

Ende 2000 löste ich meine Band auf, weil wir uns nur noch stritten. Da kam heraus, dass der damalige Keyboarder sowie mein Lebensgefährte und Gitarrist mehr als 20 Jahre lang Unwahrheiten bezüglich meiner Autorenschaft an meinen Liedern erzählt hatten. Das führte dazu, dass die beiden bei der Musikverwertungsgesellschaft GEMA ihre Urheberschaft für meine Lieder und Melodien angemeldet hatten. Da musste ich mir einen Anwalt nehmen. Ich geriet in eine schwere Krise: Das Gefühl, dass mich mein eigener Freund belogen und getäuscht hatte, war ein Schock. Ich ging vor Gericht, erhielt anonyme Morddrohungen und stand unter Polizeischutz. Trotzdem stellte ich 2003 eine neue Band zusammen und arbeitete schon damals an Songs für das Album „Neigelneu“. Das Gute an dieser Krise war sicher, dass ich viel Zeit hatte, Songs zu schreiben. Und sie trieb meine persönliche Reife als Mensch und Künstlerin voran.

Ist das der Grund, warum sich Jule Neigel heute Julia nennt?

Seit damals nutze ich meinen richtigen Namen Julia Neigel, nicht mehr meinen Kinder-Spitznamen Jule. Sicher auch eine Konsequenz aus der Wahrheitssuche und Wahrheitsliebe.

Es ist so viel Schlimmes passiert, was treibt Sie immer noch an? Wie zogen Sie sich emotional aus diesen Geschichten heraus?

Erst einmal war ich fertig mit der Welt. Alles woran ich von Jugend an geglaubt hatte, Freundschaft, Liebe, Partnerschaft, meine Musik, alles war verraten worden. Ich hatte danach große Probleme, Menschen beruflich oder privat zu vertrauen. Ich überlegte wirklich alles hinzuwerfen, war regelrecht traumatisiert. In diese Zeit war ich wie erstarrt. Es war meine Mutter, die mich motivierte, weiterzumachen und nach vorne zu schauen. Als ich dann meine neue Band fand, besserte sich auch meine musikalische Motivation, denn noch nie hatte ich solche Virtuosen und so liebenswürdige Menschen an meiner Seite. Sie hatten Verständnis, waren behutsam im Umgang mit mir und schafften es, mein Misstrauen zu heilen. Ich bin ihnen sehr dankbar.

Können Sie nachts wieder gut schlafen, herzlich lachen, lieben und vertrauen?

Oh ja! Ich bin glücklicher denn je, hatte noch nie so eine gute Zeit. Die Zeit heilt alle Wunden. Letztendlich hat sich aus der Krise etwas Gutes entwickelt: Ich bin endlich frei und kann voll aus meinem Potential schöpfen. Und die Menschen, die heute um mich herum sind, sind ehrlich, professionell und liebevoll, denn andere hätten bei mir keine Chance mehr.

Haben Sie nun endlich Menschen um sich, denen Sie vertrauen können?

Diesmal wollte ich erst sicher sein, dass meine Mitarbeiter charakterlich integer sind und dann erst hören, was sie musikalisch können. Meine Musiker wie Joerg Dudys oder Simon Nicholls sind nicht nur Größen in der A-Liga der Musikerszene, sondern auch Vertraute. Joerg ist mittlerweile mein Lebenspartner geworden – so liebevoll kann es also auch gehen. Neben meiner Band habe ich wunderbare Mitarbeiter und viele enge Freunde.

Haben Sie die Vergangenheit in „Neigelneu“ verarbeitet?

Mitunter. Den Song „Drei Wünsche frei“ widmete ich meiner Mutter. Sie ermunterte mich in der schweren Zeit immer zum Weitermachen.

Das Album ist so wunderschön rockig-soulig, so richtig „saftig“. Wer steht jetzt an den Reglern und Instrumenten, wer sind die Leute in Ihrer Crew und wie haben Sie sie gefunden?

Die Band besteht aus Joerg Dudys an der Gitarre, Simon Nicholls am Keyboard, Raoul Walton am Bass und wahlweise Mario Garrucio, Ralf Gustke oder Moritz Müller an den Drums. Alle sind exponierte Musiker und gehören zur A-Liga der Musikerszene in Deutschland. Ich hatte noch nie so eine gute Band! Wir sind ein enges und festes Team. Joerg und Simon arbeiten seit zehn Jahren mit mir zusammen, wir haben auch die Songs im Studio erarbeitet und so sind wir sehr vertraut. Neben meiner Band habe ich einen wunderbaren Manager, eine tolle Assistentin und  weitere exzellente Mitarbeiter – und viele enge Freunde. Ich kenne alle schon seit vielen Jahren. Das Team wird immer größer, besser und hochwertiger. Letztendlich fanden sich diese Menschen, in dem mir entweder jemand von einem vertrauenswürdigen Menschen empfohlen wurde, oder ich traf selbst die Auswahl. Bei der Band war mir nicht nur der musikalische Anspruch extrem wichtig, sondern vor allem auch die Frage nach korrekten Persönlichkeiten. Denn die Musiker waren mir selbst zuvor nicht bekannt. Es gibt bei uns goldene Regeln im sozialen Umgang, die eine angenehme und korrekte Arbeitsweise garantieren. Menschliche Werte gehören beim Musikmachen dazu – damit man sich auch nach der Arbeit auf der Bühne noch schätzen kann. Das war für mich das Wichtigste, erst dann wollte ich hören, was die Musiker auf dem Kasten haben. Wir ziehen alle an einem Strang! So zieht ein guter liebenswürdiger Mensch den nächsten an und alle passen zusammen.

Wie sieht Ihr typischer Studio- oder auch Kompositionstag aus?

Der dauert immer recht lang! Ein Zeitgefühl gibt es da nicht. Manchmal gehen wir bei Morgengrauen aus dem Studio und da nur, weil wir mal schlafen müssen. Wir sind oft so vertieft, dass wir alles um uns herum vergessen. Sei es beim Komponieren oder Einsingen – es dauert meist bis tief in die Nacht und Besuch von Freunden ist auch willkommen. So können sich die Sessions ziehen. Mit Joerg und Simon arbeite ich im Studio an den Alben. Dort singe ich  ihnen meine Melodien vor und wir arrangieren, produzieren dann die Songs und probieren verschiedene Arrangements aus. Oder wir arbeiten Songs von Joerg oder Simon. Komponieren ist eine sehr intuitive Arbeit bei der die Vertrautheit miteinander ein Riesenvorteil ist. Es muss fließen, wir müssen uns gegenseitig inspirieren und das gelingt uns. Wir tüfteln, lassen uns Zeit unsere Ideen weiterzuentwickeln. Das führt manchmal dazu, dass wir einen Song liegenlassen, bis er reif ist, vollendet zu werden. Beim Einsingen bin ich meist alleine mit Joerg in dessen Studio, wo wir alle Demos aufnehmen.

Sie gewannen bei „Jugend musiziert“, aber Julia Neigel durfte nicht im Schulchor singen, weil ihre Stimme zu dunkel war. Stimmt das?

Beides! Ich spielte ja ein klassisches Instrument und das machte mir viel Spaß. Solange ich es spielen durfte, liebte ich es! Die Theorie habe ich noch nie gemocht. In der Praxis war ich immer sehr gut, in den Noten nur befriedigend, sei es in der Schule oder in der Musikschule. Im Schulchor war ich damals tatsächlich unerwünscht, da meine Stimme wirklich zu sehr heraus hörbar war. Und bei einem Kinderchor fällt eine so dunkle Stimme noch mehr auf. Ich mochte meine Stimme damals nicht, da sie so eigen war. Erst als Erwachsene lernte ich meinen Stimmsound zu akzeptieren und schätzen.

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