Designvergleich: Apple und Braun
iDesign: Die "Veräppelung" der Welt

Wer sich der Anziehungskraft stylischer Apple-Produkte nicht entziehen kann, muss dafür tief in die Tasche greifen. Wir entschlüsseln den Design-Mythos des Multimedia-Giganten und zeigen, dass ähnliche Design-Ideen schon vor einem halben Jahrhundert entwickelt wurden: in Deutschland.
„Der iGod ist tot“, titelten die Medien, als die Nachricht des Todes von Steve Jobs im vergangenen Oktober um die Welt ging. Bereits zu Lebzeiten wurde der Mitbegründer der Firma Apple von seinen Fans geradezu vergöttert. Dass der Kult um iPhone, iPod und Apple-Computer religiöse Züge trägt, machten Hirnforscher sichtbar. Sie schoben Alex Brooks, den Betreiber der Apple-Fanseite „World of Apple“, in einen Magnetresonanz-Tomographen. Das Ergebnis: Beim Blick auf Apple-Produkte wurden in seinem Gehirn die gleichen Areale aktiv wie bei Gläubigen angesichts religiöser Symbole. Der angebissene Apfel: im Kommunikationszeitalter des 21. Jahrhunderts für viele ein Stück vom Paradies.
Ohne die Ästhetik ihres Designs ist der Kult um die Firma Apple nicht denkbar. Schlicht, elegant und reduziert setzen am Schreibtisch heute iMacs und MacBooks die Maßstäbe für die Attraktivität von Computern. Unterwegs sind es iPod, iPhone und iPad, die einander zudem sehr ähnlich sehen: glänzende Glasflächen, ein einziger Knopf. „Kein anderer Hersteller setzt das Prinzip Einfachheit so konsequent ein wie Apple“, sagt Ina Grätz, Kuratorin der Ausstellung „Stylectrical“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (bis zum 15. Januar 2012). Vor allem durch sein Design scheint Apple heute konkurrenzlos. Wie haben die das bloß gemacht?

- Ein Stück Industriekultur: der Apple Macintosh von 1984. Fast zehn Jahre blieb der erste tragbare Rechner auf dem Markt.
Revolution in gebrochenem Weiß: der Macintosh
Die Gestaltung hat bei Apple von Anfang an eine entscheidende Rolle gespielt. Das erste Produkt, an das sich die meisten erinnern, wurde 1984 vorgestellt: der Macintosh. Ein knuffiges Ding, das Bildschirm und Rechner in einem kleinen hellgrauen Gehäuse vereinte, auf dem das Apfel-Logo in den Farben des Regenbogens prangte. Schon das Äußere machte gute Laune. Revolutionär war aber vor allem die grafische Benutzeroberfläche. Mit „Hello“ und „Willkommen!“ wurde der Benutzer begrüßt, der fortan keine komplizierten Kommandos eingeben musste, sondern einfach mit einem Pointer auf das gewünschte Objekt zeigte. Ein Computer, der gefallen wollte, der sich in den Dienst des Laien stellte: Das hatte es noch nicht gegeben. Vor allem die kreative Szene liebte den Macintosh, der zehn Jahre lang auf dem Markt blieb. Ein großer kommerzieller Erfolg war er nicht. Zu schwach war seine Leistung, zu knapp die Zahl der verfügbaren Programme in den ersten Jahren.

- Noch 1997 hatte das Design von Apple keine einheitliche Linie. Der Twentieth Anniversary Macintosh und der eMate 300 stammen aus diesem Jahr.
Eine neue Ära: Design wird zur Chefsache
Der Aufstieg von Apple zur wertvollsten Marke der Welt begann erst nach dem Macintosh. Zu dieser Zeit folgte das Unternehmen keiner klaren Linie in der Produktentwicklung oder im Design. Der Erfolg blieb aus, die Firma stand vor dem Bankrott. 1997 kam Firmengründer Steve Jobs zu Apple zurück, nachdem er zwölf Jahre zuvor aus dem Unternehmen gedrängt worden war. Jobs erklärte die Gestaltung zur Chefsache. Er ernannte einen jungen Apple-Designer zum „Senior Vice President of Industrial Design“, der später für seine Leistungen von Queen Elizabeth II zum „Commander of the British Empire“ ernannt wurde: Jonathan Ive. „Erst seit der Ära Ive hat Design bei Apple seinen heutigen, herausgehobenen Stellenwert“, sagt „Stylectrical“-Kuratorin Ina Grätz.
Damals zog die Design-Abteilung in einen Hochsicherheitstrakt und arbeitete von nun an Hand in Hand mit den Produktentwicklern. 1998 kam der iMac in die Läden. Der kugelige Computer war aus lichtdurchlässigem Kunststoff gefertigt, durch den man die Technik im Inneren sehen konnte. Er war in quietschbunten Farben erhältlich. So etwas hatte bis dahin noch auf keinem Schreibtisch gestanden.







