21.07.2011: EU zwingt Mitgliedsstaaten zur Endlager-Suche für Atommüll
Atommüll: Ende der ewigen Zwischenlösungen

21.07.2011 - Wohin mit dem Atommüll? Dieser heiklen Frage müssen sich die Staaten der Europäischen Union (EU) nun stellen. Die EU hat eine Richtlinie erlassen, wonach alle Mitgliedsländer mit Kernkraftnutzung bis Ende 2015 eine Lösung für ihre nuklearen Abfälle vorlegen müssen.
Deutschland lagert seinen Atommüll in stillgelegten Bergwerken tief unter der Erde. Allerdings sind diese Orte lediglich Zwischenlager. Ein deutsches Endlager für Atommüll gibt es noch nicht. Kernkraftgegner stellen seit Jahren die Frage, ob es in Deutschland überhaupt einen geeigneten Ort für die Endlagerung gibt. Schließlich muss gewährleistet sein, dass ein etwaiger Speicher für eine Million Jahre sicher gegen das Eindringen von Grundwasser ist und keine Strahlung entweichen kann. Doch selbst wenn ein geeigneter Speicher gefunden wird, bleibt fraglich, ob die jeweilige Region bereit ist, das Risiko der Endlagerung auf sich zu nehmen.
EU-Staaten drücken sich seit Jahren, Endlager zu bestimmen
Nicht nur Deutschland steht vor diesem Problem. Bisher hat kein Atomkraft betreibendes Mitglied der europäischen Union ein entsprechendes Endlager gefunden. Seit Jahrzehnten vertagen die europäischen Regierungen das Problem, exportieren ihren Atommüll an Russland oder verlassen sich auf ihre Zwischenlager. "In Deutschland, aber auch anderswo, wird dieses Problem wie ein Wanderpokal von Regierung zu Regierung weitergegeben. Aber niemand kommt einer Lösung näher", sagte der zuständige Energiekommissar Günther Oettinger der Tageszeitung "Die Welt". Diesem Zögern setzt die Europäische Union nun ein Ende.
Bis 2015 müssen alle 14 EU-Staaten, die Atomkraftwerke betreiben einen nationalen Arbeitsplan erarbeiten, wann sie sich auf einen Standort festlegen. "Die Regierungen müssen ein Drehbuch vorlegen, in dem auch steht, wann sie mit Bau und Betrieb des geplanten Atommüll-Endlagers beginnen wollen", erklärte Oettinger weiter.
Weg frei für Endlagerung von Atommüll in Russland?
Die Grünen-Politikerin Rebecca Harms hat die geplante Richtlinie der EU-Kommission über den Umgang mit Atommüll scharf kritisiert. "Das bedeutet noch gar nicht, dass wir an einem Endlager dran sind, das dann das Sicherheitsziel, nämlich eine Million Jahre sicherer Einschluss, tatsächlich gewährleistet", sagte Harms im Deutschlandfunk. Derzeit werde Atommüll regelmäßig nach Russland exportiert und die EU-Richtlinie halte diese Option bewusst offen.
"Ich halte das eigentlich für einen Hinweis darauf, dass man sich die billigste Lösung immer noch offenhalten will und nicht die sicherste, nämlich für den Fall, dass man an Standorten in der Europäischen Union genau die Probleme bekommt, die man heute in Gorleben hat, nämlich wachsende Proteste gegen Endlagerung", so die Europa-Abgeordnete. Auch konkrete Sicherheitsanforderungen an russische Lagerstätten seien keine Garantie auf eine sichere Lagerung. "Noch nie hat eine nicht erfüllte Sicherheitsanforderung dazu geführt, dass die Kooperation nicht stattgefunden hat."






