16.11.2011 Fachmesse zur Nutzung von Erdwärme eröffnet
Diskussionen über die Zukunft der Geothermie

16.11.2011 - In Bochum hat mit der geoENERGIA die Fachmesse für Geothermie ihre Pforten geöffnet. Außerdem diskutieren Experten im Rahmen des Geothermiekongresses DGK über die Entwicklung und Bedeutung der Erdwärmenutzung für die Zukunft. Die Teilnehmer müssen unter anderem Aufklärungsarbeit leisten. Denn die Erschließung von Geothermie ist nicht unumstritten.
"Um die Energiewende umzusetzen, ist über verlässliche politische Rahmenbedingungen hinaus die Verknüpfung aller regenerativen Energieträger notwendig. Denn in Systemen wie regenerativen Kombikraftwerken kann die Geothermie ihren besonderen Vorteil der Grundlastfähigkeit optimal einsetzen", erklärte Waldemar Müller-Ruhe, Präsident des GtV-Bundesverband Geothermie, zum Auftakt der zweitägigen Veranstaltung.
Noch spielt Erdwärme zur Deckung des Energiebedarfs in Deutschland eine untergeordnete Rolle. 2010 lag der Beitrag zur Endenergiebereitstellung bei zwei Prozent. Prof. Dr. Reinhard Hüttl, Vorstandsvorsitzender des deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ) räumte ein: "Es besteht noch Forschungsbedarf, um den komplexen Prozess geothermischer Energiegewinnung von der Erschließung der Wärmequelle bis zur Wandlung der Wärme in Nutzenergie zu optimieren."
Experten erwarten Steigerung des Geothermie-Anteils im Energiemix
Trotzdem seien die Zukunftsperspektiven für die Erdwärme gut: "Die Vorschläge der Ethikkommission 'Sichere Energieversorgung' zielen perspektivisch auf einen nachhaltigen Energiemix, in dem die Geothermie eine wesentliche Rolle als heimische Energiequelle spielen kann", führte Hüttl weiter aus.
Experten rechnet mit einer Steigerung der Geothermienutzung in Deutschland bis 2020 im Bereich Wärme von derzeit 5,6 Terrawattstunden (TWh) pro Jahr auf 20 TWh sowie im Strombereich von 0,027 TWh auf 3,8 TWh.
Geothermie ist in der Öffentlichkeit nicht unumstritten. In der jüngeren Vergangenheit hatten Bohrungen sogenannte Mikro-Erdbeben ausgelöst und Schäden an umliegenden Gebäuden verursacht.
Erschließung von Erdwärme birgt Risiken
Christoph Clauser, Geothermieexperte am E.on Energy Research Center der RWTH Aachen erläuterte gegenüber dem "Focus" die Ursache: "Manchmal müssen Bohringenieure die natürliche Durchströmbarkeit des Tiefengesteins durch künstliche Risse gezielt verbessern. Dabei entsteht notwendigerweise ein kleines Erdbeben." Es müsse daher bei jeder Bohrung behutsam vorgegangen werden.
Muller-Ruhe sieht insgesamt einen Nachholbedarf in Sachen Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit: "Es sind Modelle zur Information und Beteiligung der Öffentlichkeit zu entwickeln, sodass sich die Wahrnehmung und Akzeptanz der Geothermie in der Gesellschaft stetig verbessern."






