19.09.2011: Energieverbrauchskennzeichnung für PKW heftig umstritten
"Hirnrissigstes Öko-Label" oder nützliche Hilfe?

Eigentlich soll das neue Umwelt-Label für Autos mehr Transparenz für die Verbraucher schaffen. Doch bezüglich der Berechnungsgrundlage ist unter Experten ein heftiger Streit entbrannt. Während die Autolobby und Deutsche Energie-Agentur (dena) die Berechnungsgrundlage für das Label verteidigen, hält so mancher Umweltschützer die neue Verbrauchskennzeichnung für eine Mogelpackung.
Am 1. Dezember 2011 wird das Label nun eingeführt. Ein rascher Effizienzvergleich innerhalb des jeweiligen Fahrzeugsegments ist damit gegeben. Doch genau an dieser Berechnungsgrundlage entzündet sich der Streit. Beim aktuellen Ansatz wird der CO2-Ausstoß dabei ins Verhältnis zum Fahrzeuggewicht gesetzt, die Rangskala reicht von A+ (grün und sehr effizient) bis G (rot und wenig effizient).
Große Spritschlucker besser dran als mäßig effiziente Kleinwagen
Mit der Folge, dass beispielsweise Luxus-Geländewagen wie der Mercedes ML 250 oder der Audi Q7 mit einem Spritverbrauch um die acht Liter grüne Labels erhalten und viel sparsamere Autos mit einem Verbrauch von fünf Litern nur gelbe.
Kay Lindemann, Mitglied der VDA-Geschäftsführung, verteidigte bei einer Podiumsdiskussion am Rande der Internationalen Automobil Ausstellung in Frankfurt den relativen Ansatz, der die Fahrzeuge jeweils in einem Segment vergleicht: "Wer alles über einen Leisten schlagen will, bietet dem Autokäufer keine Orientierung. Wer mit seiner großen Familie einen siebensitzigen Van braucht, steigt nicht wegen des Labels auf einen Zweisitzer um."
Dena-Geschäftsführer Andreas Jung pflichtet bei:: "Das neue Label ist eine Hilfe für den Autokäufer und hilft beim Klimaschutz!" Die Kennzeichnung (grün bis rot) habe sich bereits bei Haushaltsgeräten bewährt. Das Label sei eine "wesentliche Entscheidungsgrundlage" für Privatkunden und Flottenmanager.
BUND übt heftige Kritik am Öko-Label für Autos
Vertreter der Umweltorganisation BUND sehen das komplett anders. "Die neue Verbrauchskennzeichnung für Pkw täuscht die Verbraucher und schadet der Umwelt. Wir müssen die Verbraucher davor warnen, auf dieses hirnrissigste Öko-Label Deutschlands hereinzufallen", wetterte BUND-Autoexperte Jens Hilgenberg.
Vielmehr solle neben dem Gewicht, auch Spritverbrauch und die Fahrzeugfläche eine entscheidende Rolle bei der Berechnungsgrundlage spielen. Der BUND schlägt vor, die Zahl der Sitzplätze und das Kofferraumvolumen der Pkw in die Einstufung nach Effizienzklassen einzubeziehen.
Bonus für Fahrzeuge mit vielen Sitzplätzen
Wegen ihres besonderen Nutzwertes für Familien könne Fahrzeugen mit mehr Sitzplätzen oder einem größeren Kofferraum ein Emissions-Bonus gewährt werden. „Anstatt den Kauf spritsparender Modelle zu fördern, fahren künftig Geländewagen-Käufer mit gutem Öko-Gewissen durch unsere Straßen. Mit dem grünen Siegel dürfen nur solche Autos belohnt werden, deren CO2-Emissionen unter 100 Gramm pro Kilometer liegen", forderte Hilgenberg.






