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Umweltministerin im Interview

„Klimaziele nicht durch Fracking erreichbar“

Fracking gefährdet die Umwelt. Umweltministerin Barbara Hendricks erklärt, warum sie die fragwürdige Energiegewinnung zulässt.

Nach langen Diskussionen soll Fracking in Deutschland jetzt doch erlaubt werden. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
In Lagerstätten außerhalb von Schiefer- und Kohleflözgestein wird die Fracking-Technologie zum Teil schon seit den sechziger Jahren eingesetzt und darf schon heute und nach derzeit geltendem Berg- und Wasserrecht keine Gefahr für Gesundheit und Trinkwasser hervorrufen. Hier werden wir trotzdem noch zusätzliche Regelungen einführen und Lücken schließen.

Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes besagt, dass beim Fracking die Gefährdung der oberflächennahen Wasservorkommen nicht ausgeschlossen werden kann. In den USA gab es schon Fälle mit Wasserverunreinigungen. Wie lässt sich diese Gefahr eindämmen?
Wir haben die Empfehlungen aus den Studien des Umweltbundesamts so weit wie möglich berücksichtigt. Das geplante Regelungspaket zu Fracking folgt einem Grundsatz: Der Schutz der Gesundheit und des Trinkwassers haben absolute Priorität. Oberhalb von 3000 Metern wird Fracking in Schiefer- und Kohleflözgestein daher grundsätzlich verboten. Möglich sein sollen lediglich wissenschaftlich begleitete Erprobungsmaßnahmen, wenn die eingesetzte Fracking-Flüssigkeit nachweislich nicht wassergefährdend ist. Ausnahmsweise ist nach erfolgreichen Erprobungsmaßnahmen auch kommerzielles Fracking dann zulässig, wenn eine unabhängige Expertenkommission ein positives Attest hinsichtlich Umweltauswirkungen und Erdbebensicherheit ausstellt und die zuständigen Berg- und Wasserbehörden der Länder dies genehmigen. Das Votum dieser Kommission ist für die Genehmigungsbehörden der Länder allerdings nicht bindend. Auch beim konventionellen Fracking im Sandgestein werden an den Stoffeinsatz und die Überwachung sehr hohe Anforderungen gestellt.

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In welchen Gebieten gibt es außerdem noch ein striktes Fracking- Verbot?
Fracking wird in allen sensiblen Gebieten wie Wasserschutz- und Heilquellenschutzgebieten sowie in den Einzugsbereichen von Seen und Talsperren zur Trinkwassergewinnung verboten bleiben. Die Bundesländer können selbst zusätzlich weitere Trinkwassergewinnungsgebiete ausweisen, in denen Fracking verboten wird. Weitere Einschränkungen gibt es außerdem für Naturparks, Naturschutzgebiete und Natura 2000-Flächen.

Gibt es Möglichkeiten des schonenden Frackings?
Wir verfolgen aufmerksam die Ankündigungen, wonach bereits Fracking-Flüssigkeiten entwickelt werden, die nicht wassergefährdend sind. Alle konkreten Angaben von betreffenden Unternehmen zeigen bisher allerdings, dass auf wassergefährdende Stoffe derzeit nicht vollständig verzichtet werden kann.

Welche Vorteile verspricht sich die Bundesregierung konkret vom Einsatz des Frackings?
Erdgas-Fracking kann – anders als vielleicht in den USA – in Deutschland keinen substanziellen Beitrag zu unserer Energieversorgung leisten. Weder die Reduzierung unserer Abhängigkeit von Energieimporten noch unsere Klimaziele werden wir durch den Aufbau einer kostenintensiven Fracking-Infrastruktur erreichen. Langfristig erreichen wir dies nur durch den konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz.

Die Fracking-Frage

Fracking polarisiert: Es gibt glühende Befürworter in Energiekonzernen, skeptische Stimmen etwa von Wasserversorgern und entschiedene Kritiker. Besonders Umweltverbände sind entrüstet, denn Fracking soll bald auch in Deutschland möglich sein. Umweltministerin Hendricks meint: „Auch wenn ich mir keine Vorteile vom Fracking verspreche, kann ich es Forschung und Wissenschaft nicht verbieten, die Technik weiterzuentwickeln. Dagegen stehen der verfassungsrechtliche Grundsatz der Forschungsfreiheit und Verhältnismäßigkeit.“

Barbara Hendricks (SPD) wurde 1952 in Kleve geboren, studierte Geschichte und Sozialwissenschaften in Bonn. Von 1998 bis 2007 arbeitete sie als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, seit 2013 ist sie Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.


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