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Ralf Bauer spricht Klartext

"Energiesparen ist für mich Routine"

Ralf Bauer: Neuerdings glänzt der Schauspieler mit einem literarischen Bühnenprogramm, als fieser Nazi-Scherge im Kino und als Herausgeber und Hauptdarsteller seiner eigenen Yoga-DVDs.

Derzeit sind Sie mit dem literarischen Programm „Bauer in Love“ auf Tournee – was genau machen Sie dort auf der Bühne? Das Programm beruht auf klassischen Texten, die ich vortrage. Jeder Abend ist anders: Es kommen oft neue Musikstücke von meinem Bühnenpartner Pat Fritz hinzu, auch wechsle ich nach Lust und Laune die Texte. Ich habe einen Fundus von etwa vier Stunden Programm. Das Ganze wirkt wie Stand-up-Comedy auf literarischer Basis.

Vier Stunden Programm parat zu haben, erfordert ein gutes Gedächtnis... Das weiß ich auch erst seit der Schauspielschule. Wenn ich einen Text einmal gelernt habe, verlerne ich ihn nie mehr wieder.

Besaßen Sie schon immer so eine Liebe für die klassische Literatur? Im Prinzip muss jeder, der Schauspieler werden will, einen Zugang zu klassischen Dramen, Komödien und zur Literatur haben. Das bringt der Beruf mit sich. Ich entdeckte mit 16 Jahren meine Begeisterung dafür und meine Leidenschaft für das Theater.

Theaterbegeistert mit 16? Da fummeln andere an ihren iPods, Mopeds oder Freundinnen herum. Vorher hatte ich auch nur die Kinderbücher von Enid Blyton gelesen, später klassisch Hermann Hesse. Aber während meiner Schulzeit jobbte ich schon immer viel. Im Hafen Hamburg, später am Theater Baden-Baden. Die Mutter meiner Freundin arbeitete dort und verschaffte mir einen Job als Statist. Das weckte meine Begeisterung für die Bühne. Allerdings wollte ich nicht unbedingt Schauspieler werden: Tagsüber Bühnenproben, abends Vorstellung und das tagaus, tagein – das schien mir als Teenager nicht besonders attraktiv. Ich plante eher eine andere Form von Entertainment. Deshalb ist „Bauer in Love“ für mich so wichtig, denn das ist das, was ich wirklich bin. Das verbindet all meine Interessen und fügt noch einen Schuss Spontaneität hinzu.

Das Ziel, der zu sein, der man wirklich ist, ist originell für einen Schauspieler. Denn für Schauspieler geht es doch eher darum, jemand anderen darzustellen? Durch meine Ausbildung an der Stage School of Dance and Drama in Hamburg halte ich es mit der US-Technik beim Schauspielern: Die Dinge, die man spielen soll, in sich selbst zu finden. Das bedeutet: Viele spielen Rollen einfach technisch und lernen es perfekt, jemanden anderen darzustellen.

Wie setzen Sie das um? Ein Beispiel: Ich habe Freunde aus allen Ländern, natürlich auch Juden. In dem Film „Jud Süß – Film ohne Gewissen“, der auf der Berlinale gezeigt wurde und im Frühherbst in die Kinos kommt, spiele ich den Reichsfilm-Intendanten Fritz Hippler, einen absoluten Judenhasser. Für so eine Rolle versucht man also in sich zu gehen und etwas zu suchen, was noch nie da gewesen ist. Man sucht diesen Samen des Bösen in sich und gießt ihn. Aber nicht mit Wasser und Sonne, sondern mit Schatten. Es muss etwas wachgerüttelt werden und das Gefühl muss wirklich sein! Ich finde, man sieht das Ergebnis zwischen dem reinen Nachspielen und dem Versuch, selbst die Rolle zu sein. Das merkt man an wichtigen Kleinigkeiten: einer Handbewegung, der Körperhaltung.

Vielleicht werden Sie in Hollywood auch bald als German Nazi bekannt, so wie Til Schweiger in den USA? Überhaupt: Wieso sah man Sie nicht in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“, wie Schweiger, Daniel Brühl, Christoph Waltz und Gedeon Burkhard? Wer in welchen Filmen mitspielt, das kommt stark auf die Casting-Agenturen an. Jede Casting-Agentur hat so ihre Lieblinge und ich war einfach nicht im Blickfeld der Casterin, die „Inglourious Basterds“ besetzt hat. Diese Casterin mag beispielsweise auch Thomas Kretschmann nicht, einen der besten deutschen Schauspieler. Der hat ja auch nicht mitgespielt.

Wie kommen Sie aus solchen intensiven Arbeitsphasen wieder raus? Tanken Sie durch Yoga wieder auf? Eigentlich begann ich aus anderen Gründen mit Yoga. Mehr als zehn Jahre lang machte ich Judo, später unterrichtete ich auch. Als ich dann auf die Schauspielschule ging, konnte ich das nicht mehr weiter üben. Deshalb suchte ich etwas, das ich überall, im kleinsten Hotelzimmer, ausüben kann. So kam ich auf Yoga, genau gesagt auf den Sonnengruß. Ich finde in Yoga nicht nur Atemtechnik, Krafttraining, innere Sammlung, sondern alles in einem und es befreite mich noch dazu von meinen Rückenschmerzen. Allein um Ausdauer zu trainieren, setze ich mich noch auf ein Rudergerät oder gehe Ski fahren.

Sie gehen verantwortungsbewusst mit Ihrer Energie um, bezieht sich das auch auf die Energieressourcen dieser Erde? Verzichten Sie beispielsweise auf Fleisch, um den CO2-Ausstoß zu vermindern und Anbauflächen für pflanzliche Nahrung zu erhalten? Ich habe das Gefühl, dass ich Fleisch brauche. Was ich tun kann, ist biologisch und regional einzukaufen. Ich esse so, dass mich die Nahrungsaufnahme nicht Energie kostet, sondern dass sie mich energetisiert. Also zu festen Uhrzeiten und dann gutes, gesundes Essen. Wenn ich zu viel Kaffee trinke, kaue ich Kardamom danach, das wirkt entsäuernd und basisch. Das sind Dinge, auf die ich Wert lege.

Heutzutage schmeckt das Essen aus dem Biomarkt sehr lecker, frisch und schmackhaft. Manchmal würde ich mich gerne in die Fußgängerzone stellen – mit gekochten Frühstückseiern. Einem Käfig-Ei und einem Ei von freilaufenden, biogefütterten Hennen. Erst im direkten Vergleich würde den Leuten auffallen, was für extreme Unterschiede es da gibt. Sie würden nie mehr Eier aus der Legebatterie essen. Der bewusste Fleischesser respektiert das Tier und möchte auch kein Fleisch mehr aus qualvoller Massentierhaltung essen. Dieses Grundprinzip, nicht nur möglichst viel Masse und Geld aus Dingen herauszuquetschen, sondern eigene Energie zu entwickeln und sich in diesen Kreislauf zu begeben, sollte uns in Fleisch und Blut übergehen. Deshalb sind mir die asiatischen Philosophien so sympathisch. Oder auch die indianischen oder die der Aborigines. Alles Kulturen, die im Einklang mit der Natur leben und trotzdem Fleisch essen. Bei uns gibt es beispielsweise 40 Tage Fastenzeit, diese Zeit mache ich auch mit, ohne religiösen Hintergrund: 40 Tage kein Fleisch, keinen Alkohol. Nichts, was so richtig toll und lecker ist. Solche Phasen gab und gibt es in allen Kulturen, sie klären den Geist und stärken den Willen.

Sie möchten also die Kuh, die Sie essen, mit Namen kennen? Theoretisch wäre das ein Ansatz. Konnte das Tier auf der Alm leben oder wurde es in Massenhaltung mit seinen eigenen Großeltern gefüttert, sodass es demnächst BSE bekommt? Das ist doch wichtig!

Wegen der Fleischskandale? Gäbe es eine umfassendere ethisch-moralische Erziehung, die funktioniert, gäbe es auch keine Fleischskandale. Das geht schon im Elternhaus los. Die Eltern sagen ihren Kindern: „Du sollst nicht rauchen, das ist schlecht für deine Gesundheit. Schatz, gibst du mir bitte eine Zigarette?“ Unsere Welt ist durchzogen von schlechten Vorbildern. Deshalb müssen wir das Thema Umwelt, die Problematik, wie man Energieressourcen sinnvoll und sanft nützt, langsam und umfassend angehen. Mit Geld ist heutzutage alles wahnsinnig schnell zu machen. Aber auf einem Level, das so wirkt, dass es jeder nachleben und umsetzen kann, das bedarf konkreter Vorgehensweisen von Vielen, die andere mitziehen. Nicht nur Blabla in der Zeitung!

Es fehlen Ihnen die Personen, die mit gutem Beispiel vorangehen? Ja! Politiker, Ökonomen sagen uns, was die Bevölkerung jetzt tun soll und machen es selbst nicht! Es gibt eine wunderbare Anekdote über Mahatma Ghandi. Eine Mutter kommt zu ihm, mit ihrem Sohn, und sagt: Können Sie meinem Sohn bitte sagen, dass er aufhören soll, Zucker zu essen? Ghandi sagt zu der Frau: Kommen Sie in zwei Wochen wieder. Nach zwei Wochen kommt die Frau wieder und Ghandi sagt zu dem Sohn: Du sollst aufhören, Zucker zu dir zu nehmen. Die Frau: Warum haben sie ihm das denn nicht vor zwei Wochen gesagt? Ghandi: Da habe ich ja selbst noch Zucker gegessen. Ich musste erst damit aufhören. Wie kann ich denn jemandem etwas verbieten, was ich selbst noch tue? – DAS ist ein gutes Vorbild! Er war ein Musterbeispiel dafür, immer nur das zu fordern, was man selbst lebt!

Könnten Sie sich vorstellen, sich für eine Umweltorganisation im Rahmen einer Tournee zu engagieren? Sicher! Es gab im Fernsehen einen Film, bei dem ich gemeinsam mit Claudia Roth den Off-Text sprach: „Mission Possible: Unsere Erde” – in den USA sprachen diese Texte Keanu Reeves und Alanis Morrissette. Wir nahmen natürlich keine Honorare. Das sind Dinge, die ich Schritt für Schritt beginne. Aber ich bin sehr vorsichtig. Ich fahre einen Audi A 6, nicht gerade ein Sparauto, das ich aber für meine Tourneetermine unbedingt brauche. Ich kann mich aber nicht für Greenpeace in die erste Reihe stellen, solange ich so ein Auto fahre. Ich habe sogar noch ein Motorrad und muss hin und wieder fliegen. Siehe Ghandi. Erst wenn auch ich so lebe, wie ich es fordere, kann ich mich dafür einspannen lassen!

Auf was würden Sie verzichten können? Auf das Auto kann ich derzeit nicht verzichten. Daheim ist es leichter: Energiesparlampen verwenden, Müll trennen, nie die Geräte auf Stand-by stellen, das ist für mich Routine. Ich drehe die Heizung ab, wenn ich wegfahre – das mache ich schon sehr lange. Ich koche jetzt auch mit Gas. Damit wird alles rasant schnell gar. Ich esse lieber Wok-Gerichte, die wenige Minuten garen müssen als Gerichte, die stundenlang im Backofen schmoren – das ist ja auch deutlich gesünder.

Was halten Sie von der aktuellen Klimadiskussion, vom Scheitern der Klimakonferenzen? Ein Minenfeld – da kenne ich mich nicht gut genug aus. Ich rege mich auf, dass die USA sich nicht dazu bereit erklären, ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren. Aber andere Länder anzugreifen, die das Protokoll nicht unterschreiben, wie etwa Indien oder China, das ist unrealistisch. Diese Länder wollen auch erst einmal ihre Bruttosozialprodukte erhöhen. Die Weltgemeinschaft arbeitet überhaupt nicht zusammen. Der ganze Elektroschrott wird nach Afrika geschafft, wo ihn Kinder wieder aufbereiten. Wenn ich in einem anderen Land bin, wo es nur vorsintflutliche Autos gibt und ich in einer Dieselwolke stehe, habe ich oft das Gefühl, als ob es zwei verschiedene Arten von CO2-Ausstoß gäbe. Obwohl das vermutlich irrational ist, kommt es mir so vor, als ob die Darmwinde einer Kuh oder der Rauch eines Holzfeuers irgendwie ein „besserer“ CO2-Ausstoß wären als Abgase.

Was würden Sie als Bundesumweltminister sofort ändern? Leuchtreklamen verbieten, auch beleuchtete Schaufensterscheiben würden bei mir ab 21 Uhr abgeschaltet. Absolut unnötig!

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