Solar in Gefahr

Häufig korrodierte Material schon kurz nach der Montage oder Kurzschlüsse legten ganze Anlagenteile lahm, so Rainer Keßler, Photovoltaik-Experte der DEKRA in Saarbrücken. Module zeigten Risse, die bei der Montage entstanden. Lose Steckverbindungen seien „brandgefährlich“, ebenso Kabelisolierungen, die von Wind und Wetter strapaziert oder von Mardern angenagt wurden. Qualitätsmängel wie bei der Installation aufgeschabte Leitungen können bei einer hohen Spannung von bis zu 1.000 Volt einen Zündfunken und so einen Brand auslösen.

Höhere Gewalt oder Pfusch?

Drei Prozent der Schäden an Solarstromanlagen gehen auf das Konto von Hagelschauern, 12 Prozent sind auf Schneelasten zurückzuführen. Am meisten Schaden richten Feuer (26%) und Sturm (25%) an. Doch die Naturgewalten könnten nicht so viele Anlagen „außer Gefecht“ setzen, wenn überall hochwertige Komponenten fachgerecht montiert wären. Das belegt die Bilanz der „Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie“ (DGS) nach dem Orkan Kyrill im Januar 2007. An fast allen Photovoltaikanlagen mit Schäden seien zum Teil eklatante Ausführungsmängel vorhanden gewesen, stellte die DGS auf einer Pressekonferenz fest: Kyrill habe keine Anlagen beschädigt, die fachgerecht errichtet wurden.

Energie-Tipp

Fachbetrieb beauftragen

Wie können Hauseigentümer Problemen durch Pfusch vorbeugen? Zum einen sollten sie beim Kauf der Solarmodule auf Qualität achten. Am zuverlässigsten sind Zertifikate, die auch die Leistung des Moduls nach einigen Jahren bewerten (Alterungstest). Hersteller hochwertiger Ware geben eine Leistungsgarantie bis zu 25 Jahren. Zum anderen sollte man mit der Montage einer neuen Anlage nur einen erfahrenen Installateur beauftragen. Der Auftraggeber sollte sich nach einwandfrei funktionierenden Referenzanlagen erkundigen, die der Fachbetrieb installiert hat! Der Installateur sollte nach den Regeln des RAL Gütezeichen Solar (RAL GZ 966) arbeiten und/oder einen Anlagenpass anbieten.

Anlagenpass verwenden

Der vom Bundesverband Solarwirtschaft und vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke entwickelte Photovoltaik-Anlagenpass ermöglicht es Laien, die Qualität von Anlage und Installation einzuschätzen. Darin wird festgehalten, welche Bauteile installiert, welche Zertifikate ausgehändigt wurden. Mit einem Abnahmeprotokoll dokumentiert der Handwerker die bei der Übergabe gemessenen Werte und versichert, dass er entsprechend den beigefügten Richtlinien für Planung und Installation gearbeitet hat. Nur zertifizierte Handwerker dürfen den Anlagenpass ausstellen.

Photovoltaik-Versicherungen

Manche Versicherungsunternehmen honorieren die Vorlage eines Anlagenpasses mit günstigen Prämien. Andere machen Versicherungsschutz abhängig davon, dass ein zertifizierter Fachbetrieb die Anlage montiert hat. Einige Unternehmen bieten die Kombination Solar-/Gebäudeversicherung an. Empfehlenswerter ist jedoch eine so genannte „Allgefahrenversicherung“. Denn eine Gebäudeversicherung sichert nur Schäden durch Feuer, Hagel, Sturm oder Schneelasten ab. Schlägt auf dem Nachbardach der Blitz ein oder an den Kabeln ein Marder zu, muss der Anlagenbesitzer selbst für die Folgen aufkommen. Vom Problem des „Modulklaus“ ganz zu schweigen. Eine Gebäudeversicherung trägt auch keine „Kollateralschäden“ wie die Kosten eines Gerüsts oder der Schadenssuche und sie ersetzt nicht den Ausfall des Stromertrags.

Bislang decken Allgefahrenversicherungen auch Schäden durch Material- und Installationsfehler ab. Doch die Versicherungswirtschaft hat wegen der Häufung von Schadensfällen durch Pfusch angekündigt, künftig die Konditionen zu verschärfen und die Vergabe von Policen an die Einhaltung von Qualitätsstandards bei der Installation zu knüpfen. Auf jeden Fall dürften die Policen, die bisher ab ca. 60 Euro jährlich zu haben waren, teurer werden.

Energie-Tipp

Photovoltaik-Recycling

Solarstromanlagen sind langlebige Produkte, die 25 bis 30 Jahre funktionieren. Derzeit kommen die Pionier-Anlagen in die Jahre – und die beschädigten Anlagen kommen dazu. Die Menge des Photovoltaik-Mülls wird also steigen und das Thema Recycling für die Solarindustrie an Bedeutung gewinnen. Einige Hersteller (z.B. First Solar) bieten bereits die Rücknahme eigener Module an. Hersteller und Branchenverbände haben die Organisation PV CYCLE gegründet, um bis 2015 ein allgemeines Rücknahme- und Recycling-Programm aufzubauen. Das Recycling wertvoller Stoffe wie Solarsilizium und das korrekte Entsorgen der in Modulen enthaltenen Schadstoffe entlastet die Umwelt und verbessert die Ökobilanz der Solarenergie weiter. Auf der Website von PV CYCLE kann man die nächst gelegene Sammelstelle abfragen (mit Eingabe von Standort oder Postleitzahl), an der Altmodule jetzt schon kostenlos abgegeben werden können: www.pvcycle.org