Grüne Geldanlage

Mittlerweile tummeln sich auf dem Anlagemarkt jede Menge Klimaschutzfonds, grüne Aktienfonds und viele weitere Möglichkeiten für nachhaltiges Investment. Ein verlässliches Gütesiegel für grüne Geldanlagen existiert nicht – umso wichtiger ist es, die Angebote genau zu prüfen.

Fast alle konventionellen Anlageprodukte sind auch als Öko-Variante erhältlich: Sparbücher und andere Bankleistungen von Umweltbanken, Aktien nachhaltig wirtschaftender Unternehmen, Anteile an Immobilienfonds mit „Green Buildings“ oder Unternehmensbeteiligungen an Solarparks und Windparks. Doch nicht überall, wo das Etikett „grün“ draufklebt, ist auch „grün“ drin.

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Mäßige Rendite statt „sonniger Zinsen“

Nach dem Reaktorunfall in Japan boomten grüne Geldanlagen. Die Zeitschrift „Finanztest“ hat mehrere Umweltfonds geprüft und die meisten Konzepte als wirtschaftlich unrealistisch oder riskant eingestuft. Ihr ernüchterndes Fazit: Trotz staatlicher Förderung für Strom aus erneuerbaren Energien rechneten sich die geprüften Wind-, Solar-, Biogas- und Waldfonds vor allem für die Initiatoren und deren Geschäftspartner.

Von geschlossenen Fonds, bei denen der Anleger nicht vor dem Ende der Laufzeit kündigen kann, raten die Finanztester dringend ab – vor allem, wenn ein hoher Anteil des Investitionsprojekts mit Kredit finanziert werden soll. Der muss auch dann aus Mitteln des Fonds zurückgezahlt werden, wenn der Umsatz geringer ausfällt als vorgesehen – etwa bei einem Windpark in windschwachen Jahren. Geschlossene Fonds sind meist als Kommanditgesellschaft organisiert. Das heißt: Anleger haften für Verluste mit dem angelegten Betrag.

Fragwürdige Titel im Aktiendepot

Wer Geld in einem Ökofonds anlegt, legt nicht nur Wert auf Rendite, sondern will mit seiner Investition nachhaltige, umweltfreundliche Projekte unterstützen. Auch in diesem Punkt können Anleger manche Enttäuschung erleben. Im April 2011 veröffentlichte die Zeitschrift „Ökotest“ eine Untersuchung von 30 Aktien-Ökofonds, die angeblich nur Titel ökologisch wirtschaftender Unternehmen führten.

Im „Portfolio“ befanden sich allerdings auch Papiere von Waffenherstellern und Umweltsündern. Der Fonds „HSBC GIF Climate Change“ hielt Anteile am japanischen Konzern Tepco, Eigentümer des Unglücksreaktors in Fukushima. 13 Fonds hatten Aktien des Ölmultis BP auf der Liste, dessen explodierte Ölplattform den Golf von Mexiko verseucht hat. Immerhin: Vier Topaktienfonds mit passabler Rendite fanden die Tester, die das Lob „grün“ verdienten.

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Die Alternative: Energiegenossenschaften

Für Anleger, die sicher sein möchten, dass das investierte Geld tatsächlich Umweltschutz und Erneuerbare Energien fördert, gibt es eine Alternative: Energiegenossenschaften. Schon mehr als 81.000 Bundesbürger engagieren sich in und für Energiegenossenschaften, um in ihrem direkten Umfeld Gemeinschaftsprojekte im Bereich der Erneuerbaren Energien zu verwirklichen. Allein im Jahr 2011 entstanden 170 solcher Zusammenschlüsse.

Gemeinsam investierten sie schon rund 800 Millionen Euro in die Energiewende: Privatpersonen und Kommunen, Handwerker und Landwirte, Sportvereine und regionale Energieversorger machen mit. Es gibt genossenschaftlich organisierte Biogasanlagen, Holzheizkraftwerke, Solarstromanlagen und Bürgerwindparks. Die meisten Genossenschaften investieren in Photovoltaikanlagen, weil sie einfacher zu organisieren und mit geringerem Eigenkapitalanteil zu realisieren sind als etwa Windkraftanlagen. Oft werden dafür Dachflächen kommunaler Gebäude genutzt – und damit Standorte erschlossen, über die Einzelne nicht verfügen könnten.

Bürgerkraftwerke für die Energiewende

Nachhaltiges

Auch mit kleinen Beträgen ab 500 Euro kann man sich beteiligen und Mitglied werden – in einigen Genossenschaften sogar ab 100 Euro. Jedes Mitglied bestimmt mit, egal ob der Geldbeutel groß oder schmal ist. Wie viele Geschäftsanteile sie zeichnen, legen die Mitglieder selbst fest.

Um Photovoltaikanlagen oder eine Windkraftanlage zu bauen und zu betreiben, sind jedoch nicht nur finanzielle Mittel erforderlich, sondern auch wirtschaftliche Kenntnisse und technisches Know-How. Letzteres bringen meist regionale Handwerksunternehmen ein – so bleibt das Investment nicht nur grün, sondern bleibt außerdem in der Region.