Kraftwerk Mensch

Mit jedem Bissen Nahrung und jedem SchluckFlüssigkeit nimmt der Mensch Energie zusich. Sein Körper gibt diese Energie wiederab, zum Beispiel in seinen Bewegungen, wenner einige Schritte geht, oder Sätze wie diese mit derTastatur schreibt. In der Regel geht viel Energie desKraftwerks Mensch einfach verloren. Und genau dasempfinden Forscher wie Jörg Wallaschek von derLeibniz Universität Hannover als pure Verschwendung:„Uns umgibt ja noch mehr Energie wie etwa Vibrationen,Luftströmungen oder die Umgebungstemperatur.“

All diese Energieformen lassen sich ernten,deshalb etablierte sich dafür der Fachbegriff „EnergyHarvesting“. Ganz neu ist die Idee nicht: Vor genau90 Jahren entwickelte der englische UhrmacherJohn Harwood die Armbanduhr, die sich allein durchBewegung selbst aufzieht. Modernes Energieerntenfunktioniert anders: Mechanische Energie wird inelektrische Energie umgewandelt.

Galerie: Diese Produkte erzeugen Energie

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Kinderwagen
versorgt

Kinderwagenversorgt Handy:Fleißiges Schiebender Kleinen lässtdas Fahrlicht leuchtenund lädt denSmartphone-Akku.

Mit

Mit Energy-Harvesting-Einlagenin den Schuhen wirdein Jogger zwar nicht schneller,erzeugt aber genug Stromzum Akkuladen. Die Energieproduzieren Tausende vonNano-Kügelchen.

Mini-Generatoren

Mini-Generatoren im Stift verwandelndie Bewegungenbeim Schreiben inStrom, der zumBeispiel eineLED-Lampeim Stiftleuchtenlässt.

Ans

Ans Kniegeschnallterzeugt der„PowerWalk“beim Gehenoder LaufenEnergie fürMobiltelefonoder Pulsmesser.

Dieses

Dieses T-Shirt mag Bässe:Die Vibrationen der tiefenTöne erzeugen Strom.Funktioniert am bestenmit Rapmusik!

Die

Die „Power Pocket“nutzt die Temperaturdifferenzzwischen menschlichemKörper undUmgebung zurStromerzeugung.


Strom ohne Steckdose

Wie zum Beispiel beim Funkschalter, der ohne Stromleitungdas Licht an- und ausknipst. Das Signal andie Lampe kommt per Funk. Jörg Wallaschek: „DenStrom dafür erzeugt der Schalter selbst. Und zwar einfachdadurch, dass ich den Schalter betätige, also mitdem Finger Druck ausübe.“ Dadurch wird ein piezoelektrischesElement im Schalter verformt, das eineSpannung entstehen lässt. So ähnlich wie beim Gasfeuerzeug,das man zündet. Riesige Mengen Energielassen sich so nicht erzeugen. Aber für die Energieversorgungvon Sensoren, Displays und elektronischenKleingeräten wie Mobiltelefone reicht das.

Nutzenlässt sich die gesammelte Energie auf vielfältige Weise.Beispiel Haustechnik: Energieautarke Messfühlerfür Temperatur und Feuchtigkeit ohne Stromkabel einfach an die Wand kleben, fertig. Mit solchen Sensorenlassen sich Gebäudekomplexe, Tunnel oder Brückenüberwachen. Ein dickes Plus für mehr Sicherheit.Forscher Wallaschek beschäftigt sich derzeit mit Reifensensoren,die ihren Strom aus der Deformation desReifens beim Abrollen bekommen: Die intelligentenReifen der Zukunft überwachen Luftdruck, Temperatursowie Alterung und stellen diese Messwerte zumBeispiel der Fahrdynamikregelung zur Verfügung.

Perpetuum mobile erfunden?

Beim Energy Harvesting sind der Fantasie keine Grenzengesetzt. Da meldet zum Beispiel die KaffeekanneTemperatur und Füllstand. Die Energie dazu beziehtsie aus dem Wärmeunterschied zwischen heißemGetränk und kühlem Deckel. Kalter Kaffee und leereKanne gehören der Vergangenheit an.Auch die Medizin profitiert von der Energiewende immenschlichen Körper: Die regelmäßige Dehnung undKontraktion einer Arterie könnte über eine winzig kleineManschette Strom für Sensoren erzeugen, die medizinischeDaten nach außen funken. Auch der Blutzuckervon Patienten liefert Energie, zum Beispiel fürden Herzschrittmacher. Am Kraftwerk Mensch wirdderzeit kräftig geforscht.