China überholt Deutschland

Deutschland, bisher unbestrittene Nummer eins beim Ökostrom, büßt seine Führung demnächst ein, prognostizieren australische Energieexperten in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature. Zwar hätten die deutschen Ökostrom-Kraftwerke im ersten Halbjahr 2014 rund 31 Prozent der hiesigen Stromerzeugung gedeckt.

In China aber gebe es eine deutlich größere Ausbaudynamik, die dem Land vermutlich die Spitzenposition in diesem Jahr sichere. So installierten die Chinesen 2013 zum ersten Mal mehr erneuerbare Kraftwerksleistung als bei den nuklear und fossil betriebenen Anlagen zusammen.

China und das EEG

Andere Länder sollten China folgen und die Märkte für Wasser-, Wind- und Solarkraftwerke stärken, um die Kosten der Erneuerbaren zu reduzieren, empfehlen die australischen Forscher John A. Mathews von der Macquarie University in Sydney und Hao Tan von der University of Newcastle in Callaghan. Bis 2017 will die chinesische Regierung 550 Gigawatt Leistung aus erneuerbaren Energien erzeugen. In Anbetracht des Ausbautempos ein durchaus realistisches Ziel. In Deutschland hingegen waren Ende 2013 Ökostrom-Kraftwerke mit insgesamt rund 84 Gigawatt im Einsatz.

Die australischen Energieexperten machen zwei Gründe für den Grünstrom-Boom im Reich der Mitte: die Fördermodelle mit festen Einspeisevergütungen nach Vorbild des deutschen EEG und die Dynamik der industriellen Massenproduktion, durch die zum Beispiel die Fertigungskosten bei Solarmodulen seit 2008 um über 80 Prozent sanken.

Die Zukunft ist grün

Dank sinkender Installationskosten und steigendem globalen Wettbewerb stellt sich nach Ansicht der australischen Forscher der Rückgang der CO2-Emissionen gewissermaßen von selbst ein. Ob das schnell genug passiert und der Klimawandel gebremst werden kann, bleibt allerdings fraglich. Denn bis 2035 könnte der weltweite CO2-Ausstoß um 1,1 Prozent pro Jahr steigen. Und auch hier ist China ganz weit vorn, wofür die vielen Kohlekraftwerke im Land sorgen.