Die wenigsten Biotreibstoffe sind "grün"

Eine neue Studie hat die Ökobilanz verschiedener Biotreibstoffe untersucht. Das Fazit: Nur wenige sind in der Gesamtbilanz umweltfreundlicher als Benzin.

Schweizer Forscher haben herausgefunden: Etliche Biotreibstoffe aus Agrarerzeugnissen helfen zwar, den Ausstoss an Treibhausgasen zu verringern, führen aber zu anderen Umweltschäden wie übersäuerten Böden und überdüngten Gewässern. Die Empa – ein Forschungsinstitut an der Hochschule Zürich – hatte die Ökobilanz der verschiedenen Biokraftstoffe und ihrer Produktionsverfahren unter die Lupe genommen.

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Mehr Treibhausgase als durch fossile Treibstoffe

„Die meisten Biotreibstoffe verlagern also lediglich die Umweltbelastungen: weniger Treibhausgase, dafür mehr anbaubedingte Schäden an landwirtschaftlich genutzten Böden“, kommentierte Empa-Forscher Rainer Zah die Ergebnisse. Das führe dazu, dass nur wenige Biotreibstoffe eine insgesamt bessere Ökobilanz als Benzin aufweisen.

Besonders negativ für die Umwelt sind Biotreibstoffe aus Rodungsflächen, die laut Studie in der Regel sogar mehr Treibhausgase verursachen als fossile Treibstoffe. Eine positive Bilanz stellten die Wissenschaftler dagegen Biogas aus Rest- oder Abfallstoffen aus. Dieses belaste die Umwelt – je nach Ausgangsmaterial –bis zur Hälfte weniger als Benzin.

Andere Studien, andere Schlüsse

Eine weitere aktuelle Studie – im Auftrag des Ölkonzerns Shell – sieht dagegen weiterhin großes Potenzial für Biokraftstoffe. Allein in Deutschland könnten heimische Biokraftstoffe bis 2030 rund 20%, bis 2050 sogar 70% des – bis dahin stark gesenkten – Kraftstoffbedarfes abdecken. Voraussetzung dabei sei jedoch, dass die Nachhaltigkeit gewährleistet ist und die Produktionskosten sinken.

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Beide Studien reihen sich in eine aktuelle Diskussion über Biokraftstoffe ein. Insbesondere E10 war in den letzten Wochen von vielen Seiten heftiger Kritik ausgesetzt.