Flaute bei Offshore-Windkraft?

Laut einer aktuellen Studie wird die Bundesregierung ihre Offshore-Ziele um Längen verfehlen. Die Windenergie-Agentur sieht die Zukunft der Offhore-Branche trotzdem positiv.

Die Bundesregierung wird ihre bis zum Jahr 2020 gesteckten Ziele für den Bau neuer Windparks in der Nordsee voraussichtlich klar verfehlen. Das ist einem Projektbericht für den Netzbetreiber Tennet zu entnehmen, wie die deutsche Presseagentur am Donnerstag meldete. Der Bericht komme zu dem Ergebnis, dass bisher nur Windparks mit einer Leistung von 2900 Megawatt (MW) über eine Finanzierung verfügen.

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Auch die Regierung geht laut Meldung davon aus, dass sie das Ausbauziel anpassen muss. Die Rede sei von nur noch 6000 MW bis 2020. Offiziell hält die Bundesregierung am Ziel von 10.000 MW an neu installierter Offshore-Leistung fest.

Experten fordern „realistische Ziele“

Durch ein Verfehlen der Ausbauziele könnten für die Verbraucher erhebliche Kosten anfallen. Dem Bericht zufolge drohen ab 2016 Leerkosten von 500 Millionen bis eine Milliarde Euro für Netzanschlüsse, durch die mangels Windparks kein Strom fließt. Diese Kosten würden über die Netzentgelte den Strompreis belasten. Tennet-Chef Lex Hartman fordert realistische Ziele, um nicht ineffiziente Leitungen auf Kosten der Konsumenten zu bauen.

Wie das Nachrichtenmagazin Spiegel Online berichtet, fordert Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen wegen der hohen Kosten sogar den Verzicht auf einen weiteren Ausbau. Jochen Flasbarth, Chef des Umweltbundesamts, sagte gegenüber Spiegel Online, die Offshore-Windenergie verliere an Bedeutung. Aus Kostengründen sei es ratsam, die Mengenziele für die Offshore-Windkraft abzusenken.

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Windunternehmer: „Offshore-Windenergie gewinnt an Fahrt“

Der Bericht fasse nur politisch zusammen, was in der Praxis schon lange kommuniziert wird, kommentiert Ronny Meyer, Geschäftsführer der Windenergie-Agentur WAB. Die Branche gehe bereits seit 2012 von 6-7 GW statt der ursprünglich geplanten 10 GW aus. „Ob 7 oder 10 Gigawatt: Die Offshore-Windenergie wird künftig eine wichtige Funktion bei der kontinuierlichen Einspeisung von Energie in das Stromnetz übernehmen. Keine andere erneuerbare Energiequelle liefert so grundlastnah Strom.“

Die Zahlen für das erste Halbjahr zeigen deutlich, dass der Ausbau der Offshore-Windkraft in Deutschland weiter an Fahrt gewinnt. Die deutsche Offshore-Branche baut gerade gleichzeitig an sieben Windkraftwerken in der Nordsee. so Meyer. „Offshore-Windenergie ist sowohl energie- als auch industriepolitisch ein wichtiger Eckpfeiler der Energiewende.