Mehr Plastik kommt nicht in die Tüte

Eine Billion – so viele Plastiktüten werden laut Schätzungen pro Jahr verbraucht. Das Ergebnis: wachsende Müllberge und eine immense Umweltbelastung. Denn die wenigsten Plastiktüten werden recycelt, 90 Prozent landen auf Mülldeponien. Und dort liegen sie eine ganze Weile. Bis eine Plastiktüte zerfällt, braucht es bis zu 500 Jahre. Hinzu kommt: Vier Prozent des jährlich weltweit verbrauchten Öls verwandelt sich in Plastiktüten. Herstellung und Transport der Tüten kosten jede Menge Energie. Rund 60 Millionen Tonnen Kohlendioxid gehen auf die Kappe von Plastiktüten. Zum Vergleich: Deutschland hat 2014 zirka 15 Mal so viel CO2 ausgestoßen. Kosten und Nutzen stehen dabei in keinem Verhältnis, denn eine Plastiktüte wird im Schnitt nur 25 Minuten lang genutzt.

Die EU schreitet ein

Dieses riesige Umweltproblem will die EU eindämmen. Deshalb hat sie die bisherige Richtlinie über Verpackungen und Verpackungsabfälle noch einmal überarbeitet. Nach der Verabschiedung der novellierten Richtlinie 94/62/EG am 28. April 2015 müssen die Mitgliedsstaaten konkrete Maßnahmen für die Reduzierung ihres Plastiktütenkonsums ergreifen. Deadline ist Oktober 2016. Bis dahin brauchen die Länder ein Konzept für die Eindämmung des Problems Plastiktüte.

Der Pro-Kopf-Tütenverbrauch muss sinken

Die Ziele der Novelle geben vor, dass bis zum 31. Dezember 2019 jede Person pro Jahr maximal nur noch 90 leichtgewichtige Plastiktüten verbrauchen darf – damit sind die hauchdünnen kostenfreien Plastiktüten mit einer Wandstärke von 0,05 Millimetern gemeint. Bis zum 31. Dezember 2025 dürfen pro Kopf noch maximal 40 dieser Plastiktüten jährlich genutzt werden.

Energie-TippDer

Aktuell liegt der Verbrauch in den Mitgliedsstaaten im Schnitt bei 198 Tüten. Das entspricht EU-weit 100 Milliarden Tüten. Deutschland liegt mit einem jährlichen Durchschnittsverbrauch von 71 Plastiktüten unter dem EU-Durchschnitt.

Ruanda und Nepal fortschrittlicher als Deutschland

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), fordert härtere Mittel: Immer mehr Staaten, Regionen und Städte verbieten Plastiktüten oder drängen sie mit hohen Abgaben zurück. Zuletzt hatte die nepalesische Regierung in Kathmandu Plastiktüten verboten. Auch das afrikanische Ruanda geht mit einem landesweiten Verbot konsequenter gegen die Plastifizierung unserer Umwelt vor als Deutschland.

Die DUH fordert Bundesumweltministerin Barbara Hendricks auf, sie solle noch dieses Jahr eine Abgabe von 22 Cent pro Plastiktüte einführen. In Irland habe diese Abgabe die Einwegtaschen um mehr als 90 Prozent zurückgedrängt: von jährlich 328 Tüten pro Einwohner auf 18.

Einblicke in den Lebenszyklus einer Plastikflasche:

https://www.youtube.com/watch?v=TsfcEoeNY74