Naturschützer: Klimawandel schuld am Hochwasser

Nach dem sibirischen Winter kam der Monsun. Petrus spielt verrückt und wieder ist die Klimaerwärmung schuld. So sieht es zumindest der Deutsche Naturschutzring (DNR). Bereits im Jahr 2002, beim letzten „Jahrhunderthochwasser“ an der Elbe, hatte der DNR nach einem stärkeren Klimaschutz durch die Politik aufgerufen. Nun veröffentlichte der Ring am Dienstag eine Resolution.

Extremes Wetter wird zur Normalität

Neben Maßnahmen wie etwa der Renaturierung von Flussgebieten zum Schutz vor Überflutungen findet sich auch ein direkter Bezug zum Klimawandel in der Resolution: „Extremwetterereignisse nehmen zu und werden in ihren Auswirkungen stärker. Sie sind ein Ausdruck des Klimawandels. Eine starke Klimaschutzpolitik trägt deshalb zur Vorbeugung von Hochwasserschäden bei.“

Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen

Mehr Regen durch höhere Temperaturen? Das klingt zunächst absurd. Doch schon im 19. Jahrhundert bewies der deutsche Physiker Rudolf Clausius, dass warme Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Pro Grad Erwärmung speichert die Luft 7 Prozent mehr Feuchtigkeit. Die muss sich irgendwann abregnen, zum Beispiel über Österreich, Tschechien und Deutschland.

Messungen der letzten Jahrzehnte unterstreichen dieses Naturgesetz: Seit 1970 stieg die Durchschnittstemperatur der Erde um 0,6 Grad – der mittlere Wasserdampfgehalt der Atmosphäre stieg gleichzeitig um vier Prozent. Hinzu kommt, dass solche Wetterlagen wie die der letzten Wochen durch den Klimawandel länger in einer Region verharren, statt sich in einem langen Korridor abzuregnen.

Oder ist alles nur bloßer Zufall?

Günter Blöschl, Hochwasserexperte von der Technischen Universität Wien, widerspricht dem in der österreichischen Zeitung „Die Presse“: Ein Zusammenhang mit der Klimaerwärmung könne erst festgestellt werden, wenn solche Ereignisse noch häufiger zustande kämen, also als Regelfall.

Das gehäufte Auftreten eines Hochwassers sei statistisch nicht ungewöhnlich, ebenso wie die Möglichkeit, nacheinander mehrere Sechser zu würfeln. Außerdem könne sich das Gesamtsystem aus Ozeanen und der Atmosphäre lange Zeit in einem Zustand befinden, der Hochwasser begünstigt. Danach könne das System seinen Zustand wechseln und es komme kaum mehr zu extremen Hochwassern.