Über grüne Brücken sollt ihr gehen

Eine neue Brücke in London verblüfft: 4400 Solarpanele auf ihrem Dach versorgen den nahegelegenen Bahnhof mit Strom. Doch die Ambitionen der Brückenbauer gehen noch weiter.

Die Stadt London hat eine Brücke über die Themse gebaut, die vollständig mit Solarmodulen gepflastert ist. Die Anlage liefere genug Strom, um täglich 80.000 Tassen Tee zu kochen, so der Auftraggeber British Rail. Für Nicht-Teetrinker: Das 6.000 Quadratmeter große Sonnendach spart jährlich rund 500 Tonnen CO2 und erzeugt 900.000 Kilowatt-Stunden grünen Strom. Das reicht, um den direkt daran anschließenden Bahnhof Blackfriars der Eisenbahngesellschaft zu versorgen.

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1 Milliarde Euro für die Fahrradautobahn

Neben der größten Solarbrücke der Welt könnte auch bald die grünste Brücke der Welt die Londoner Themse-Ufer verbinden. Auf dem 180 Millionen teuren Bauwerk sollen rund 200 verschiedene Bäume, Pflanzen und Sträucher wachsen. Natürlich lässt sich streiten, ob man diese Brücke wirklich braucht, gibt Architekt Thomas Heatherwicke zu. Aber wenn es im Leben nur um das Notwendigste ginge, dann würden wir alle an vollkommen abscheulichen Orten leben.

Nicht nur beim Brückenbau zeigt London Ambitionen zur grünsten Metropole Europas zu werden. Verschiedene Projekte sollen den Verkehr der Hauptstadt emissionsfrei gestalten. Seit Mitte Februar fahren die ersten Elektrotaxis durch London. Das Ziel von Oberbürgermeister Boris Johnson: Ab 2018 fahren alle Taxis emissionsfrei durch London. Eine Milliarde Euro will Johnson außerdem in den Ausbau der Fahrradinfrastruktur investieren. Mit dem Stararchitekten Norman Foster plant die Stadt eine riesige Fahrradautobahn. Bei einer Gesamtlänge von 220 Kilometern, soll SkyCycle Platz für rund 12.000 Fahrradfahrer pro Stunde bieten.

Ist London das grüne Schaf Großbritanniens?

Während London immer neue Klimaprojekte vorstellt, geht die EU-Kommission gegen Großbritannien wegen unvermindert überhöhter Emissionswerte von Stickstoffdioxid vor. Das schädliche Gas entsteht im Straßenverkehr, in der Schifffahrt, bei der Energieerzeugung, in Industrie und Haushalten. Besonders betroffen sind Stadtbewohner.

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Der Oberste Gerichtshof in Großbritannien urteilte, dass die EU-Grenzwerte in 16 Gebieten regelmäßig überschritten werden. Weiter stellte es fest, dass dort die EU-Standards erst 2020 eingehalten werden, in London sogar erst 2025. Dabei stellt sich die Frage, ob die Klimaprojekte Londons tatsächlich so effektiv sind wie behauptet.