Elektroautos gestern und heute

Viele Spekulationen ranken sich um die Zukunft der Elektromobilität. Fast geht unter, dass Elektroautos eine ebenso spannende und reichhaltige Geschichte haben. Eine Chronik in Bildern.

Bei einer Umfrage, wer das Auto erfunden hat,
würde die Mehrheit der
Deutschen wohl Carl Benz nennen.
Stimmt! Der Tüftler konstruierte
ab 1885 das erste Auto
mit Verbrennungsmotor. Aber
Elektrofahrzeuge fuhren schon
viel früher! Der schottische
Autopionier Robert Anderson
zeigte bereits 1845 auf der
Weltausstellung in Paris einen
selbstentwickelten Elektrokarren.
Als Erfinder des ersten
regulären Elektroautos gilt der
Franzose Gustave Trouvé: Der
schraubte 1881 in Paris ein
dreirädriges Gefährt mit Elektromotor
zusammen – immerhin
fünf Jahre, bevor Benz in Mannheim
zur ersten öffentlichen
Probefahrt rollte.

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Bildergalerie: Die Geschichte der Elektroautos

Für eine größere Ansicht und mehr Informationen zu den einzelnen Modellen klicken Sie bitte auf die Bilder.

Am Anfang war das E-Tricycle:
Der Franzose Gustave Trouvé konstruierte im Jahr 1881 dieses erste reguläre Elektroauto, das mit seinem Blei-Akkumulator immerhin eine Strecke von bis zu 40 Kilometern mit fleißigen 12 km/h zurücklegte. Ein dreirädriges Fahrrad diente dem Ingenieur als Rahmen, der zwar nicht über sonderlichen Komfort verfügte, aber durchaus seinen Zweck erfüllte: Er trug das schwere Fahrwerk.

Der Vorgänger der Straßenbahn: Bereits ein Jahr später wies dieses von Werner Siemens entworfene Versuchsfahrzeug den Antrieb und die Energieversorgung eines Oberleitungsbusses auf. Das „Elektromote“ war somit der weltweit erste Vertreter des heute nur noch in einigen Teilen Europas vertretenen Verkehrssystems. Weiter verbreitet ist natürlich die ähnlich funktionierende Straßenbahn, ebenfalls entwickelt von Siemens.

La Jamais Contente: „Die niemals Zufriedene“, so könnte man den Namen des elektrisch betriebenen Geschwindigkeits-Rekordwagen ins Deutsche übersetzen. Der ehrgeizige belgische Ingenieur Camille Jenatzy, der sich stets in einem Wettstreit mit anderen Erfindern schneller Fahrzeuge befand, knackte Ende des 19. Jahrhunderts mit dieser futuristischen Erscheinung erstmals die Marke von 100 km/h.

Die „Elektronische Viktoria“:
Das erste Elektroauto, das in größerer Stückzahl produziert und im Alltag eingesetzt wurde, stammte aus dem Hause der Siemens-Schuckertwerke mit Sitz in Berlin. Neben der Ausführung als viersitziges Cabrio wurde der Wagen als Kleinbus mit einem kastenartigen Aufsatz hergestellt. Die erreichbare Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h reichte für den Stadtverkehr im Jahre 1905 völlig aus.

Überleben in der Nische:
Eine Nische, in der sie bis heute überlebten, fanden Elektroautos als kleine Lieferwagen: Schon 1922 war die Post mit dem Paketzustellwagen “Bergmann BEM 2500″ elektrisch unterwegs. Der Lieferwagen war mit einer Geschwindigkeit von maximal 20 km/h zwar eher langsam, doch selbst heute ist auf den Straßen Berlins die Durchschnittsgeschwindigkeit mit 24,5 Kilometern pro Stunde kaum höher.

E-Mobilität auf dem Mond:
Das Lunar Roving Vehicle wurde 1970 für drei Apollo-Missionen der NASA konstruiert. Das komplett elektronisch betriebene Aluminium-Gefährt verfügte über ein hervorragendes Navigationssystem. Zudem war an der Front eine Fernsehkamera angebracht, die erstmals den Rückstart eines Raumschiffes vom Mond aufzeichnete. Bis heute steht das Fahrzeug noch am selben Fleck.

Kassenschlager in Amerika: Die vorangegangene Ölkrise löste 1974 eine hohe Nachfrage nach E-Mobilität und Nachhaltigkeit aus. So wurde die Automarke CitiCar zum Produzenten der meistverkauften straßenzugelassenen Elektrofahrzeuge der Automobilgeschichte. Neben dem kleinen Coupé wurde auch der CitiVan mit Kofferraum und Schiebetüren populär. Das äußerst charakteristische Design blieb jedoch erhalten.

Renaissance der Elektroautos: Die nächste Ölkrise nach dem Golfkrieg sorgte erneut für wachsendes Umweltbewusstsein, auch in der Politik. So drängte ein kalifornisches Gesetz die Automobilindustrie zur Entwicklung von emissionsfreien Fahrzeugen. General Motors produzierte 1996 den GM EV1 in geringer Stückzahl und gab ihn an ausgewählte Kunden weiter, darunter auch Prominente wie Tom Hanks oder Mel Gibson.

Futuristisches Miniauto:
Der erste serienreife Renault Twizy wurde im Januar 2011 auf der Festival Automobile International in Paris vorgestellt. Seit März 2012 ist der kleine Elektroflitzer auch auf Deutschlands Straßen unterwegs. Das Einsteigermodell Twizy Urban mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h darf als sogenanntes „vierrädriges Leichtkraftfahrzeug“ bereits ab dem 16. Lebensjahr gefahren werden.

Boom der Elektroautos

Bald produzierten englische,
deutsche und amerikanische Ingenieure
ihre eigenen Modelle.
Immer neue Elektroautos vom
Kleinstwagen bis zum Autobus
eroberten die Straßen der westlichen
Welt. Um das Jahr 1900
schien es, als würde die Zukunft
rein elektrisch fahren. Doch ein
über Jahrzehnte anhaltender Ölboom,
der technologische Fortschritt
und die Massenproduktion
machten Autos mit Verbrennungsmotor
billiger bei größerer
Reichweite als die elektrische
Konkurrenz. Bis etwa 1930 brach
der Markt für Elektroautos vollständig
ein, nur in Lieferfahrzeugen
blieb dem Elektromotor eine
Nische.

Dabei bietet das Elektroauto
eine ganze Reihe Vorteile gegenüber den Spritschluckern:
Es benötigt weder Getriebe noch
Kupplung, keinen Anlasser, Kühler,
keine Lichtmaschine und
Auspuffanlage. Elektromotoren
glänzen mit einer besseren Leistungsbilanz,
weniger Vibrationen
und sie fahren ohne Lärm sowie
Schadstoffausstoß. Zur Reichweite:
Mehr als 90 Prozent der mit
dem Auto zurückgelegten Wege
betragen weniger als 50 Kilometer.
Das schaffen E-Mobile locker!
Also: Wer hat das erste Auto
erfunden?

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Hohe Ziele anvisiert

Bisher hat sich die Elektrifizierung der Antriebe auf den Straßen der Welt nicht durchgesetzt. Doch das könnte sich hierzulande bald ändern: Die Politik hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis Ende dieses Jahrzehnts eine Million E-Autos auf Deutschlands Straßen fahren. In letzter Zeit erlebte das Elektroauto ein kleines Revival. Dass bis zum Durchbruch keine weiteren 130 Jahre vergehen, bleibt zu hoffen.