Care Energy geht gegen Kritiker vor


Verbraucherzentralen beklagen Einschüchterungsversuche von Care Energy bei ehemaligen Kunden. Das Unternehmen spricht von berechtigten Abmahnungen.

Laut den Verbraucherzentralen in Niedersachsen und Sachsen erhalten ehemalige Kunden sowie einige Vertriebsmitarbeiter Unterlassungserklärungen von Anwälten des Energielieferanten Care Energy. Die betroffenen Personen hätten zuvor in sozialen Netzwerken ihre Erfahrungen mit dem Unternehmen geschildert. Angeschrieben sei auch worden, wer im Netz nach anderen Betroffenen gesucht oder sich um kritische
Informationen zu Care Energy bemüht habe. Wer die geforderte Unterlassungserklärung nicht abgebe, dem drohten weitere Schreiben der von Care Energy eingeschalteten Gerichte, heißt es von den
Verbraucherzentralen.

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Unterlassungsverfahren gegen Care Energy

Hintergrund ist das umstrittene Geschäftsgebaren von Care Energy und seinen
Tochter- und Nebenfirmen. Die Verbraucherschützer kritisierten beispielsweise falsche Angaben bei den Tarifangeboten und problematische Formulierungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen
(AGB). Auch die Konzernstrukturen sowie die Vertragsgestaltung
und das Abrechnungsmodell sehen
die Verbraucherzentralen als intransparent
an. Sie haben dazu mehrere Unterlassungsverfahren
gegen Care Energy angestrengt.
Das Unternehmen reagiert
seinerseits mit Abmahnungen. Mehrere
Verbraucherzentralen aber auch kritisch
berichtende Medien hätten schon entsprechende
Schreiben von Rechtsanwälten erhalten,
so die Verbraucherzentrale Niedersachsen.
„Care Energy geht hart gegen
Kritiker vor.“

Keine Verbesserungen in Sicht

Besonders empört die Verbraucherschützer, dass Care Energy, anstatt nach Lösungen zu suchen, mit Abmahnungen und Einschüchterungsversuchen reagiere. Da würden es sich die Abgemahnten wohl gut
überlegen, ob sie eine teure und langwierige Auseinandersetzung riskieren oder
künftig lieber auf öffentliche Kritik auch in den sozialen Medien verzichten.
Ein Sprecher von Care Energy weist auf Anfrage des Branchenmagazins Energie & Management die Vorwürfe zurück: „Es ist bezeichnend für die geringe Qualität der Arbeit der Verbraucherzentralen,
dass berechtigte Abmahnungen wegen Verleumdung und Falschaussagen gegen
ehemalige Kunden, Vertriebspartner und Verbraucherzentralen nicht als die notwendige
Korrektur öffentlich getätigter, falscher Aussagen wahrgenommen, sondern als angebliche Einschüchterungsversuche diskreditiert werden sollen.“

Ob es sich tatsächlich um Falschaussagen handelt, könnte vor Gericht entschieden werden, denn Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und des Betruges. Zudem hat die Bundesnetzagentur im Juni aufgrund von Zweifeln an der Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Energieversorgers ein Aufsichtsverfahren gegen Care Energy eingeleitet.

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