Ausbau Glasfasernetz

Deutschland hinkt beim schnellen Internet hinterher. Das soll sich mit dem Ausbau des Glasfasernetzes ändern.

Ein Leben ohne Web ist für die meisten Menschen heute nicht vorstellbar. Umso ärgerlicher, wenn die Internet-Verbindung so lahm ist, dass man minutenlang auf eine kreiselnde Eieruhr starrt. Surfen per Schmalband, also per Modem oder ISDN, dauert vielen bei Geschwindigkeiten von 56 Kilobit pro Sekunde (kbit/s) beziehungsweise 128 kbit/s inzwischen zu lange. Wer Filme streamen, Fotos hochladen und online shoppen will, surft besser mit Highspeed. Für viele Unternehmen ist schnelles Internet ein entscheidender Wirtschaftsfaktor: Sie brauchen für ihre täglichen Arbeitsabläufe eine rasche Datenverbindung. Die Bundesregierung verspricht bis 2025 einen flächendeckenden Ausbau mit Breitband-Internet. Zurzeit hinkt Deutschland im Ländervergleich noch weit hinterher.

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Wie funktioniert der Datentransfer mit Glasfaser und was sind die Vorteile?

Während Kupferkabel Daten mittels elektrischer Impulse übertragen, nutzen Glasfaserleitungen Lichtsignale. Diese rasen durch ein Bündel hauchdünner Fäden aus geschmolzenem Glas. Glasfasern ermöglichen eine höhere Bandbreite als Kupferfäden. Bei gleich großem Querschnitt fließen in derselben Zeit wesentlich mehr Informationen durch die Leitung. Dadurch können selbst große Datenmengen im Gigabit-Bereich in Sekundenschnelle übermittelt werden. Im Gegensatz zur Kupferleitung ist Glasfaser nicht anfällig für elektromagnetische Störungen und ermöglicht eine verlustfreie Datenübertragung über längere Strecken.

Welche Anschlussmöglichkeiten gibt es?

Ideal, aber vergleichsweise teuer und aufwendig ist FTTH (Fibre-to-the-home), das heißt, die Glasfaserleitung reicht bis in die Wohnung. Meist wird jedoch das bereits beim Kunden vorhandene Kupfer- oder Koaxialkabel für das letzte Stück Weg genutzt. Das ist zwar wirtschaftlicher, bremst jedoch die Datenübertragung. Daher sollte die Glasfaserleitung nahe heranreichen, zum Beispiel in den Keller oder einen anderen zentralen Verteiler im Haus (FTTB, Fibre-to-the-building). Als Übertragungsverfahren verbreitet ist VDSL, die Abkürzung für „Very High Digital Subscriber Line“. Wie der Name schon sagt, ermöglicht es Geschwindigkeiten, die um ein Vielfaches höher sind als beim klassischen DSL. Wenn VDSL komplett über Glasfaser vermittelt werden kann, gibt es kaum Verluste bei der Übertragungsgeschwindigkeit.

Ist Vektoring eine Alternative zu Glasfaser?

Nein. Von Vektoring spricht man, wenn die Kupferkabelnetze nachgerüstet werden, um damit höhere Übertragungsgeschwindigkeiten zu nutzen. Durch den Ausgleich von elektromagnetischen Störungen zwischen den Leitungen soll hierbei die Bandbreite verdoppelt werden. Doch selbst wenn für die Strecke bis zum Kabelverteiler Glasfasern genutzt und mit Kupferkabeln für die kurze Strecke bis zum Haus kombiniert werden, wird diese Technologie bald veraltet sein.

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Hängt die WLAN-Geschwindigkeit noch von weiteren Faktoren ab?

Ja. Auch Router oder Modem beeinflussen das Tempo. Zu den meisten Online-Tarifen bekommt der Kunde ein kostenloses Gerät. Auf Wunsch kann er aber auch ein höherwertiges Modell vergünstigt bestellen. Onlineanbieter dürfen Router oder Modem nicht mehr vorschreiben. Wer sich selbst ein Gerät kauft, sollte sich beim Hersteller erkundigen, ob es die technischen Voraussetzungen für den gewählten Tarif erfüllt. Für schnelle Verbindungen ist beispielsweise eine Fritzbox empfehlenswert, die von manchen Anbietern gratis geliefert wird. Wer sich für VDSL entscheidet, braucht einen Router, der die Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit pro Sekunde stemmen kann.

Wie zukunftssicher ist Glasfaser?

Glasfaser ist die technisch beste Lösung für Internetverbindungen mit schnellsten Datenübertragungsraten. Es gibt keine Beeinträchtigungen, wenn mehrere Personen gleichzeitig das Internet nutzen. Das ist schon jetzt in vielen Haushalten der Fall, wenn PCs, Laptops, Smartphones und Tablets zur gleichen Zeit WLAN benötigen. Generell werden die Datenmengen und dafür erforderliche Übertragungsgeschwindigkeiten künftig noch wachsen. Denn durch die Digitalisierung kommen weitere Anwendungen hinzu: Denkbar sind selbstfahrende Autos, die in Echtzeit Informationen verarbeiten. Oder Herzschrittmacher, die per Funk mit Computern kommunizieren. Das setzt ein funktionierendes Netz ohne Störanfälligkeit voraus – nicht nur in großen Städten, sondern auch in entlegenen Dörfern. Der Breitbandausbau mit Glasfaser ist in Deutschland daher unabdingbar – je eher, desto besser.