"Der Mensch ist dumm und vergesslich"

Sie gelten als der deutsche Schauspieler, der sich am meisten für die Umwelt engagiert. Ende 2010 veröffentlichten Sie das Umweltbuch „Wut allein reicht nicht“. Warum nahm Ihre Wut so überhand, dass Sie etwas tun mussten?Ich bin gar nicht sooo wütend! Aber ich wundere mich immer, dass alle, vor allem Politiker und Vertreter der Industrie, gern daherpalavern und nichts oder sehr wenig tun.Im Januar waren Sie auf einer Mission zur Rettung der Haie unterwegs. Was machen Sie im Moment?Ich drehe gerade einen Film mit Yvonne Catterfeld für die ARD in Malaysia, eine Mischung aus Abenteuerkomödie und Umweltdrama. Ein großartiges Drehbuch des Hamburger Autors Serkal Kus, Produzentin ist Katharina Trebitsch.Hat Ihr Umweltengagement die Rollenangebote verändert, müssen Sie seitdem öfter einen Umweltaktivisten darstellen? Sie spielten kürzlich in einem ZDF-Fernsehfilm einen Minensucher…Nein, eigentlich nicht. In „Minensucherin“ war ich der knallharte Ausbilder der Minensucher.Normalerweise stehen auf Homepages von Schauspielern Fähigkeiten wie „Fechten, Segeln, Klavier spielen“. Bei Ihnen steht, wofür Sie sich alles engagieren: Für die Whale and Dolphin Conservation Society, Christoffel Blindenmission, International Campaign for Tibet, Fans For Nature und so weiter. Haben Sie überhaupt noch Zeit für Ihren Beruf?Natürlich, von irgendetwas muss ich ja leben. Und die Schauspielerei macht mir immer noch höllisch viel Spaß!Sie leben ja zeitweise in den USA, einem Land mit riesigem Energiehunger. Kann man dort umweltbewusst leben?Kalifornien ist in Sachen Umweltschutz eigentlich sehr viel weiter als Deutschland oder der Rest der USA. Nirgendwo kann man so umweltbewusst leben wie dort.Fahren Sie noch Auto oder eher mit dem Fahrrad?In Deutschland fahre ich ein Bluemotion-Modell von VW mit unter fünf Litern Treibstoffverbrauch auf 100 Kilometer. In Los Angeles nehme ich ausschließlich das Motorrad – und das braucht nur drei Liter Benzin.Haben Sie in Deutschland eine Solaranlage auf Ihrem Hausdach?Ich lebe in einer Mietwohnung außerhalb Münchens – leider ohne Solaranlage.Sie fliegen viel und belasten damit die Umwelt. Gleichen Sie Ihr persönliches CO2-Konto aus? Was halten Sie von Initiativen wie CO2-frei zu reisen, CO2-frei Pakete zu senden oder Ähnliches?Natürlich gleiche ich mein persönliches CO2-Konto mit entsprechenden Maßnahmen aus. Davon halte ich sogar sehr viel. Am bequemsten geht das über das Internet mit Seiten wie Myclimate oder Atmosfair. Daneben unterstütze ich auch diverse Wiederaufforstungsprojekte.Thema persönliche Energie: Wie kommen Sie aus stressigen Dreharbeiten wieder heraus, wie schalten Sie ab und tanken wieder auf?Am besten mit Wassersport wie Segeln, Surfen, Windsurfen oder Kitesurfen.Was löste das Atomunglück von Fukushima in Ihnen aus? Wie stehen Sie persönlich zur Atomkraft?Es kamen mir dieselben Gedanken wie beim Unglück von Tschernobyl: Der Mensch ist dumm und vor allem vergesslich. Meine Meinung: Kein halbwegs intelligenter Mensch kann für Atomkraft sein!Machen Sie sich über die Klimaveränderung durch Ernährung Gedanken? Was essen Sie, dass es gesund für Sie und die Umwelt ist? Kaufen Sie Biolebensmittel, leben Sie vegetarisch?Ich esse seit 25 Jahren kein Fleisch mehr und kaufe grundsätzlich nur Bioware.Stimmt es, dass Sie sogar keine Nahrung aus Ländern essen, in denen Menschenrechtsverletzungen begangen werden?Ja, das stimmt! Ich kaufe am liebsten Produkte von regionalen Erzeugern und entsprechend der jeweiligen Jahreszeit.Sie engagieren sich auch gegen PET-Flaschen, trotz des Pfandflaschensystems, und raten den Menschen Wassersprudler wie zum Beispiel Sodastream zu benutzen. Warum das?Weil allein in Deutschland jedes Jahr zehn Milliarden PET-Flaschen verkauft werden und Plastik mittlerweile das weltweit größte Müllproblem darstellt. Warum kaufen und schleppen wir Mineralwasser in Flaschen, wenn unser Leitungswasser das am strengsten kontrollierte Lebensmittel hierzulande ist? Das versteh ich nicht!In einem Interview sagten Sie: In Deutschland muss man sich daran gewöhnen, dass einem erst einmal unlautere Beweggründe nachgesagt werden. Ihnen wurde aufgrund Ihres Umweltengagements alles Mögliche an den Kopf geworfen. Wie erklären Sie sich das?Erstens sind wir Deutschen die Weltmeister in Sachen Neid, Jammern und Meckern. Und zweitens sind die genannten Eigenschaften natürlich weitaus bequemer zu leben, als den Hintern hochzubekommen und sich für etwas zu engagieren.Was würden Sie als Umweltminister sofort ändern?Nachhaltigkeit im Grundgesetz verankern und Umweltschutz in allen Schulen zum Pflichtfach machen.

Hannes Jaenicke – erfolgreich in Deutschland und USA

Hannes Jaenicke, geboren am 26. Februar 1960, gehört zu den beliebtesten Schauspielern Deutschlands. Seine Ausbildung in Gesang, Tanz und Schauspiel absolvierte er am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. 1984 wurde er mit Carl Schenkels Thriller „Abwärts“ über Nacht berühmt. Für die Hauptrolle in der Krimireihe „Sardsch“ bekam er den Adolf-Grimme-Preis. Dank seiner akzentfreien amerikanischen Aussprache spielt Jaenicke immer wieder in US-TV- und -Kinofilmen mit.