Die Energie der Anderen

Alle Welt blickt auf die deutsche Energiewende. Wir sind aber längst nicht das einzige Land in Europa, welches auf erneuerbare Energien setzt.

Norwegen

Die „Batterie Europas“

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Norwegen ist durch die Natur begünstigt: In dem dünn besiedelten, regenreichen Land gibt es 160 000 Binnenseen. Die oft mehr als 1000 Meter über dem Meer gelegenen Wasserspeicher bilden ein gewaltiges Reservoir, um Strom bereitzustellen, wenn er gebraucht wird. Über 1 500 Wasserkraftwerke decken nahezu den kompletten Strombedarf des Landes. Die meisten sind Pumpspeicher-Kraftwerke: Sie pumpen Wasser mithilfe von überschüssigem Strom von einem tiefer gelegenen Becken in ein höheres. Wird Strom benötigt, fließt das Wasser zurück ins Tal und treibt eine Turbine an.

Die Wasserkraft sorgt außerdem für einen kräftigen Stromüberschuss, der nach Europa exportiert wird. Als „Batterie Europas“ liefert Norwegen Energie in europäische Industrieregionen. Sieben Unterseekabel, darunter das armdicke, 516 Kilometer lange Seekabel „NordLink“, das aktuell auf dem Grund der Nordsee verlegt wird, sollen bis 2020 Strom ans europäische Festland liefern. Allein „NordLink“ kann mehr als 3,6 Millionen Haushalte versorgen.

Österreich

Vorreiter für Umwelttechnologien

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Mit seinen Gebirgen und Flüssen nutzt Österreich seit jeher Wasserkraft zur Energiegewinnung. Die rund 3100 Kleinwasserkraftwerke decken etwa zehn Prozent des österreichischen Strombedarfs und vermeiden im Vergleich zur Stromproduktion mit fossilen Energieträgern jährlich rund sechs Millionen Tonnen CO2-Emissionen. Vor allem der Osten Österreichs setzt zunehmend auf Windenergie. Schon seit 2005 wird zwischen Innsbruck und Wien zudem keine Kohle mehr gefördert. Stattdessen bestimmen vor allem die erneuerbaren Energien den Strommix: Ihr Anteil liegt aktuell bei rund 79 Prozent: 63 Prozent aus Wasserkraft, 16 Prozent aus Windkraft, Photovoltaik und nachwachsenden Brennstoffen. Bis 2030 soll der gesamte Strom in Österreich aus regenerativen Energiequellen stammen. Die Bundesregierung will den Alpenstaat zum Vorreiter in moderner Umwelttechnologie machen. Schon heute sichert die Energiewende mehr als 90 000 Arbeitsplätze.

Frankreich

Revolution im Land der Atomkraft?

Frankreich hat wie kein zweites Land weltweit auf Atomkraft gesetzt. Nach dem Ölpreisschock Anfang der 1970er-Jahre wählte es „l’énergie nucléaire“ als Patentrezept für günstigen Strom. Öl- oder Gasvorkommen gibt es kaum. Vor zehn Jahren schloss die letzte Kohlezeche im lothringischen Industrierevier.
Die Atomkraft verschaffte Frankreich mehr Unabhängigkeit von Rohstoffimporten, jährliche Überschüsse bei Stromexporten und relativ niedrige CO?-Emissionen aus fossilen Energieträgern.

Insgesamt 58 Reaktoren produzieren mehr als zwei Drittel des erzeugten Stroms im Land.
Der Anteil erneuerbarer Energien liegt bei 18 Prozent. Im Vergleich zu Österreich oder Skandinavien ist das wenig. Trotzdem ist im Land der Atomkraft eine kleine Revolution im Gange: Die „Grande Nation“ plant eine teilweise Abkehr vom Atom. Bis 2025 will sie den Erzeugungsanteil der Atomkraft auf 50 Prozent drücken, während der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch steigen soll. Ende 2017 kündigte die neue Regierung Macron jedoch an, dass sich der ambitionierte Zeitplan wohl um zehn Jahre verzögern werde.

Dänemark

Wind-Weltmeister

Schon 1891 baute der Däne Paul La Cour im küstenreichen Dänemark die erste Windkraft-Versuchsanlage. Seit den 1970er-Jahren verbreitete sich die Technologie rasant. Kein Wunder: Das rohstoffarme Königreich legt großen Wert auf eine unabhängige Energieversorgung. 2017 deckten Wind, Wasser, Sonne und Biomasse bereits rund drei Viertel der Stromerzeugung. Bis 2030 soll ihr Anteil auf 90 Prozent, bis 2050 auf 100 Prozent ausgebaut werden. Die Windenergie bestreitet schon heute fast 44 Prozent des landesweiten Energiebedarfs. Dänemarks Windräder produzieren so viel Strom, dass ein Teil davon nach Norwegen und in andere Nachbarländer exportiert wird.

Doch da seit 2016 eine Drei-Parteien-Regierung bei unseren nördlichen Nachbarn am Ruder ist, stehen in Kopenhagen nicht mehr alle Zeichen auf grün. Bis 2020 wird die steuerliche Umlage zur Förderung von Erneuerbaren für Stromabnehmer aus der Industrie schrittweise abgeschafft. Die dänische Energiewende ist damit vorerst auf Eis gelegt.

Wie läuft's eigentlich bei uns?

Eine Bestandsaufnahme der deutschen Energiewende finden Sie hier.