Gute Aussichten für den Kraftstoff Erdgas

Ein Interview mit Dr. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft ERDGAS e.V., zum Thema Erdgasfahrzeuge.

Herr Kehler, 2016 wurden weniger Erdgasautos zugelassen, gleichzeitig sank die Zahl der Erdgas-Tankstellen. Sind Erdgasfahrzeuge ein Auslaufmodell?

Ganz klar nein. Trotz des momentan sinkenden Interesses sehen wir für Erdgasfahrzeuge deutlich bessere langfristige Perspektiven als für Elektroautos. Daran wird auch die Elektroauto-Kaufprämie nichts ändern. Woran es momentan fehlt, ist Transparenz und Vertrauen – sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich. Es braucht neue Anreize und deutlich mehr Rückenwind von seiten der Politik.

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Was bräuchte die Erdgasmobilität, um attraktiver für Fahrzeughalter zu werden?

Eine der wichtigsten Chancen für die Erdgasmobilität ist die Verlängerung der Steuererleichterung für Erdgas als Kraftstoff. Sie ist vom Bundeskabinett nun auf den Weg gebracht worden und soll bis 2026 gelten. Allerdings wäre es darüber hinaus ein großer Schritt, wenn der Preis für CNG an Tankstellen im Literäquivalent ausgezeichnet werden dürfte. Dann könnten die Verbraucher sehen, dass Erdgas immer noch die günstigste Kraftstoffart bezogen auf die Energiedichte ist.

Was macht Erdgasfahrzeuge aktuell attraktiv?

Sie sind klimaschonend und kostengünstig. Im Vergleich zu Benzin tankt man nach wie vor für rund die Hälfte der Kosten. Zudem besteht bereits ein flächendeckendes Tankstellennetz. Die Umweltvorteile von Erdgas liegen auf der Hand: Im Vergleich zum Diesel werden bis zu 99 Prozent weniger Stickoxide, bis zu 23 Prozent weniger CO2 und nahezu kein Feinstaub freigesetzt. Erdgasfahrzeuge sind nicht nur auf dem Prüfstand sauberer, sondern auch auf der Straße. Noch besser fällt die Umweltbilanz mit Bioerdgas aus, das an rund einem Viertel aller CNG-Tankstellen in Deutschland angeboten wird. Damit lassen sich die Treibhausgas-Emissionen eines Fahrzeugs sogar um 65 Prozent senken.

Die Bundesregierung will, dass der Endenergieverbrauch im Verkehr bis 2050 um 40 Prozent gegenüber 2005 sinkt. Welche Rolle können Erdgasautos dabei spielen?

Eine sehr große. Mit dem Ausbau der Elektromobilität allein ist die Klimawende im Verkehr kaum zu schaffen. Zumal die Ökobilanz von E-Autos keinesfalls zufriedenstellend ausfällt, solange sie noch überwiegend Strom tanken, der aus Kohlekraftwerken stammt. Zukünftig könnte dagegen der verstärkte Einsatz von regenerativ erzeugtem, synthetischem Erdgas (SNG), das mit der Power-to-Gas-Technologie erzeugt wird, eine Lösung sein. Es ist klimaneutral und ermöglicht, ungenutzten Strom aus Wind und Sonne langfristig zu speichern, sodass diese regenerative Energie nicht verloren geht. Als Speicher fungiert hier das gesamte Erdgas-Leitungsnetz mit mehr als einer halben Million Kilometer. Mittlerweile gibt es viele Versuchsanlagen, die SNG auch im industriellen Maßstab produzieren und ins Erdgasnetz einspeisen. Es ist also ein in großen Mengen und sofort verfügbarer klimaschonender Kraftstoff.

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