Brr, ist das kalt

Aber es tut einfach gut. Die Kneipp-Kur ist noch immer im Trend. Doch warum heilt kaltes Wasser unseren Körper?

Manche Dinge kommen nie aus der Mode. Trenchcoats, Woody Allen-Filme oder Brause-Pulver zum Beispiel. Medizinische Behandlungsmethoden hingegen überdauern eher selten Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte. Eine Ausnahme bildet die Heilkunde von Sebastian Kneipp. Am 17. Mai 2021 wäre der Pfarrer aus Schwaben und Erfinder der Kneipp-Medizin 200 Jahre alt geworden, und noch heute schwören Ärzte und gesundheitsbewusste Menschen auf seine Wasserheilkunde. Die Hydrotherapie, so der Fachbegriff, umfasst viel mehr als das allseits bekannte Wassertreten: Kalte Güsse, Wechsel­duschen, Tautreten oder Teilbäder fördern das Immunsystem und helfen bei gesundheitlichen Problemen. Die Anwendungsgebiete reichen von Herz-Kreislauf- über Atemwegserkrankungen, Venenleiden, Schlaf- und Stoffwechselstörungen bis hin zu Rheuma oder Rückenschmerzen.

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Visionärer Wasserdoktor

Als Student an Tuberkulose leidend, testete Kneipp Mitte des 19. Jahrhunderts die Kaltwassertherapie in Selbstversuchen in der Donau – und wurde geheilt. Er begann, selbst Kranke zu behandeln, half im Laufe der Jahre Tausenden mit Bädern, Güssen und Wickeln und brachte seine Verfahren in Ratgebern zu Papier. Darin beschreibt der Wasserdoktor nicht nur seine Hydrotherapie, sondern entwickelt eine Lehre aus ergänzender Bewegungstherapie, gesunder Ernährung, Kräuterkunde und Ordnung für das seelische Gleichgewicht. Seine Präventionstipps sind heute aktueller denn je.

So kneippen Sie zu Hause

Die Kaltwassertherapie nach Kneipp nutzt den Wechsel zwischen warm und kalt, An- und Entspannung, um den Wärmehaushalt des Körpers ins Gleichgewicht zu bringen. Viele Anwendungen lassen sich in Eigenregie zu Hause durchführen: Wassertreten in der Badewanne, Armbäder im Waschbecken oder Gesichts- und Kniegüsse unter der Dusche. Wer unter Vorerkrankungen leidet, sollte sich zuvor mit seinem Arzt besprechen.