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Franz Alt über Sonnenenergie

Alt: "Wir leben völlig falsch"

Im Interview mit uns spricht der Journalist und Sonnenenergie-Experte Franz Alt über die Chancen und das Potenzial der Solarenergie, die Energiekrise und den Klimaschutz.

Herr Alt, Sie sind Journalist, kritischer Denker und Philosoph. Sie schreiben Bücher, halten Vorträge und geben Interviews. Woher schöpfen Sie Ihre ganze Energie? Meine persönliche Energie schöpfe ich von oben und von tief innen. Alle Energie ist ein Geschenk der Natur, niemals ein Eigenverdienst. Diese Energie ist erneuerbar. Und jeder kann sie anzapfen. Wissen Sie, die wichtigste Voraussetzung für den Durchbruch erneuerbarer Energien sind erneuerbare Menschen. Die heutige weltweite Energiekrise, die nach Außen sichtbar ist, ist ein Ausdruck einer inneren, seelischen Energiekrise. Deshalb bin ich überzeugt, dass ohne Bewusstseinswandel bei den Menschen die Energiekrise nicht lösbar ist. Aber wir haben ein Problem: Die alten Energieträger gehen in den nächsten Jahrzehnten zu Ende. Wir werden deshalb zu 100 Prozent auf regenerierbare Energie umsteigen müssen. Und das können wir auch. Deutschland ist erneuerbar, Europa ist erneuerbar, die Welt ist erneuerbar. Wir können ein ökologisches Wirtschaftswunder organisieren und ganz nebenbei Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen.

Innere Energiekrise, was meinen Sie damit? Wir gehen völlig falsch mit Energie um. Wir verbrauchen und verbrennen in wenigen Jahrzehnten, woran die Natur hunderte Millionen Jahre gearbeitet hat. Das geht alles auf Kosten künftiger Generationen. Die Art und Weise wie wir heute mit Kindern und Enkeln umgehen, ist eine Kulturschande. Wir sind die erste Generation, die ihren Kindern nie mehr guten Gewissens sagen kann: Euch soll es mal besser gehen. Alles, was wir heute treiben, müssen sie ausbaden und bezahlen. Egal, ob in der Energiekrise oder in der Finanzkrise. Das alles sind Zeichen dafür, das wir völlig falsch leben. Wir sind verantwortungslos gegenüber der Umwelt, der künftigen Generation und gegenüber uns selbst. Und würden wir im Innern anders handeln, würden wir das nach Außen auch machen. Alles was wir machen, kriegen wir zurück. Das meine ich mit innerer Energiekrise.

Wie sieht es bei Ihnen denn aus, was machen Sie für unsere Umwelt? Wir haben Alternativen, wir müssen sie nur nutzen. Wir betreiben zum Beispiel seit 18 Jahren eine Fotovoltaik- sowie eine thermische Solar-Anlage auf dem Dach. Das heißt, wir nutzen die Energie der Sonne und erzeugen Strom und Wärme selbst. Unsere Anlage produziert doppelt so viel Strom, wie eine normale deutsche Familie verbraucht. Wo bitte ist also das Problem? Leider stehen in Deutschland die meisten Dächer allerdings völlig ungenutzt in der Gegend herum. Die heimische, kostenlose Energie von oben nutzen wir noch viel zu wenig.

Was glauben Sie, sind die Gründe dafür? Wir kleben gewohnheitsmäßig am Alten fest. Wir haben im wahrsten Sinne des Wortes ein Brett vor der Sonne. Dabei ist es ganz einfach: Die Sonne schickt uns jede Sekunde unseres Daseins, auch jetzt in diesem Moment, 15.000 Mal so viel Energie, wie alle Menschen verbrauchen. Es gibt kein Energieproblem. Der liebe Gott war nicht doof, und die Evolution war nicht doof. Wir haben alles, was wir brauchen. Aber wir halten gnadenlos an alten Strukturen fest.

Was sollen wir Ihrer Meinung nach machen? In Deutschland haben wir 15 Prozent Ökostrom. Ich habe selbst in den letzten Jahren weltweit über 300 Windparks und Windkrafträder eingeweiht. Es tut sich was. Wir müssen uns aber beeilen, um das Klima zu retten, sonst wird es duster. Viele übersehen noch die Chancen des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes. Bereits 46 Länder der Welt haben dieses Gesetz übernommen. Das ist ein vorbildliches Gesetz, das effektivste zur Masseneinführung erneuerbarer Energie. Darauf kann man aufbauen. Es gibt also keine Ausreden mehr, es ist ausschließlich ein Fehlen an Information. Wissen Sie, in meinen Vorträgen sage ich immer: Eine Solaranlage auf dem Dach, ist besser als Aktien im Keller. Und auch effizienter. Du verdienst gut Geld mit der Sonne. Das wissen nur zu wenige Leute. Hunderte von Banken machen bereits mit.

Viele regionale Energieversorger setzen auf dezentrale Versorgung wie Fotovoltaik... Das ist das Stichwort, dezentrale Energieversorgung. Ich wünsche mir eine Renaissance der Stadtwerke, eine Rekommunalisierung der Energiepolitik in Deutschland. Die Stadtwerke sind die Vorreiter in der Energiewelt, sie haben eine zentrale Funktion. Einige Vorreiter gibt es ja schon, und das lässt mich hoffen, dass wir die Kurve noch kriegen. Und je schnell wir das machen, desto preisgünstiger ist es. Denn nichts ist so teuer wie der Klimawandel. Ich weiß, Klimaschutz kostet. Aber kein Klimaschutz kostet die Zukunft.

Ein weiteres großes Thema ist auch Energieeffizienz, also wie gehe ich mit Energie sinnvoll um. Haben Sie irgendwelche Regeln, an die Sie sich halten? Auch wenn Energiesparlampen noch nicht so schön aussehen, sind sie effizient und sparsam. Ich hoffe, dass das Design noch ein bisschen besser wird. Und natürlich ist es sinnvoll, die Lichter auszuschalten, wenn man den Raum verlässt. Obwohl der Strombereich nicht das große Problem ist. Das große Problem ist der Heizungsbereich. 40 Prozent der gesamten Energieverbräuche gehen auf Kosten unserer alten Häuser. Hier empfehle ich: Besser dämmen, neue Türen, neue Fenster, neue Dächer. Das kostet natürlich. Aber wenn ich mir überlege, was uns Energie und der Klimawandel in Zukunft kosten wird, dann ist mir klar: Mit solchen Maßnahmen kann ich langfristig sparen. Für mich gehören Klimaschutz und Geldsparen zusammen. Ich nenne das doppelten Gewinn. In meinem Buch „Sonnige Aussichten“ erkläre ich, wie Klimaschutz zum Gewinn für alle wird.

Dazu müssten aber alle an einem Strang ziehen… Ganz genau. Man muss ganzheitlich denken und dann macht man Klimaschutz. Letztlich wird es billiger und nutzt allen. Darauf kommt es an. Es ist ja eine gesellschaftliche Frage, eine Kulturaufgabe - das es allen nutzt, und nicht allen schadet. Das was wir heute machen, schadet allen.

Bücher von Franz Alt zum Thema:

Die Sonne schickt uns keine Rechnung

Wussten Sie, dass die Sonne jeden Tag 15 000-mal so viel Energie zur Erde schickt, wie die Menschen täglich weltweit verbrauchen? In der komplett überarbeiteten Neuausgabe seines programmatischen Klassikers und Weltbestsellers zeigt Franz Alt, wie wir mit einer solaren Energiepolitik die Klimakatastrophe verhindern und zugleich neue Arbeitsplätze schaffen und für eine neue Art der Mobilität sorgen können. Denn Sonnenstrahlen, Wind, Biomasse, Erdwärme und solarer Wasserstoff sind eine echte Alternative zu Atomkraft, Erdöl und Kohle.

Sonnige Aussichten

Die drohende Klimakatastrophe und wie wir sie verhindern können, das ist das Thema der Gegenwart. Denn wenn Mensch und Natur überleben wollen, muss etwas passieren. „Hört auf zu jammern - fangt endlich an zu handeln!“ - Franz Alt zeigt, warum es notwendig und sinnvoll ist, eine neue Werte-Ethik zu etablieren mit dem Ziel, ein achtsames, nachhaltiges Leben zu ermöglichen.


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