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Manche mögen’s kalt

Eisbaden stärkt Herz, Kreislauf und Immunsystem, aber macht es auch Spaß? Unsere Autorin Tamara ist bei Minusgraden in eiskaltes Wasser gestiegen. Wie ist es ihr dabei ergangen?

Eigentlich ist mir im Winter immer kalt. Was habe ich mir also bloß dabei gedacht, über mehrere Wochen kalt zu duschen und in eiskaltes Seewasser zu steigen? Keine Ahnung! Vielleicht lag es daran, dass mir meine Gesundheit wichtig ist: Ich achte auf meine Ernährung, treibe regelmäßig Sport und probiere auch mal Gesundheitstrends aus. Jetzt also Eisbaden!

Doch sich bei Minusgraden bis auf die Badeklamotten auszuziehen und ins eiskalte Wasser zu wagen, hört sich zunächst einmal nicht gesund an. Trotzdem tun es immer mehr Leute. Warum? Auf den Körper wirkt das kalte Wasser anfangs wie ein Schock: Die Gefäße in der Haut und die Blutbahnen im Körper weiten sich. Das Blut zirkuliert schneller. Der Vorgang stärkt das Herz-Kreislauf- und das Immunsystem. Zudem schüttet der Körper Adrenalin und Endorphine aus.

Epileptiker, Schwangere und Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen sollten auf das Eisbaden trotzdem verzichten (s. Kasten). Außerdem wichtig: sich langsam an den Kältereiz heranzutasten. Ich bereite mich daher in drei Schritten vor:

Schritt 1: Eiskalt duschen

Schon Wochen vor dem ersten Eisbaden dusche ich regelmäßig kalt. So gewöhnt sich der Körper an die Kälte. Wasserhahn auf eiskalt drehen und los geht’s: Zunächst dusche ich Arme und Beine ab, dann kommt der ganze Körper dran. Brrr!! Mir bleibt vor Schock die Luft weg und ich verfalle in Schnappatmung. „Ruhig“, sage ich mir, „laaangsam atmen“. Die ersten 30 Sekunden fühlen sich trotzdem an wie eine Ewigkeit. Doch dann beruhigt sich mein Körper allmählich. Gleichwohl bin ich heilfroh, aus der Dusche zu steigen und mich in ein warmes Handtuch einwickeln zu können. Das Gefühl danach entschädigt: Ich fühle mich klar im Kopf, erfrischt und überglücklich. Fast wie im Rausch.

Auch wenn es mich anfangs viel Überwindung kostet: In den nächsten Wochen dusche ich jeden Tag kalt und steigere mich auf mehr als 90 Sekunden. Bald macht es mir sogar Freude und wird zur täglichen Routine. Erstaunt höre ich mich aus dem Bad schreien: „Yippie, jetzt wird kalt geduscht!“ 

Schritt 2: Körper aufwärmen

Mein Freund und ich steigen das erste Mal ins kalte Wasser. Da es um Stuttgart herum wenig Badeseen gibt, muss fürs Erste ein Fluss im Schwarzwald herhalten. Wir sind beide aufgeregt und freuen uns gleichzeitig riesig. Bevor es ins Wasser geht, wärmen wir uns mit Kniebeugen, Liegestütze und Klimmzügen auf. Danach atmen wir dreißig- bis vierzig Mal tief und ohne Pause ein und aus und halten anschließend eine Minute die Luft an. Diese Atemübung hilft dabei, die Konzentration zu schärfen und den Körper mit Sauerstoff vollzupumpen. Jetzt sind Körper und Geist auf das Baden bei Kälte eingestimmt.

Schritt 3: Mütze aufsetzen und los!

Da Menschen über den Kopf am meisten Wärme verlieren, streift sich jeder von uns eine Mütze über. Die Finger schützen Handschuhe  vorm Auskühlen. Nun gibt es kein Zurück mehr! Zaghaft tasten wir uns vor: Fußspitzen, Knie, Oberschenkel, Hüfte. Mein erster Gedanke, als das kalte Wasser meinen Körper umschließt: „Puhhh, das ist noch mal um einiges kälter als unter der Dusche!“ Ich konzen-triere mich auf meine Atmung, dann geht’s. Vom Ufer aus gibt uns die Mutter meines Freundes Bescheid, dass wir schon eine Minute im Wasser sind. Um es nicht zu übertreiben (maximal drei Minuten empfehlen Experten, beim ersten Mal besser nur einige Sekunden), gehen wir daher schnell wieder ans Ufer und trocknen uns ab. Wir sind stolz und glücklich und merken die Kälte gar nicht. Nur unsere fleckigen, roten Körper verraten, dass gerade die Durchblutung ordentlich angekurbelt wird. Schnell schlüpfen wir in die warmen Klamotten. 

Unsere nächsten Eisbade-Einheiten finden in Eistonnen auf dem Balkon von Freunden statt, welche wir mit unserem Enthusiasmus angesteckt haben. Vorläufiger Höhepunkt bei unserem neu entdeckten Hobby: das Fotoshooting für diesen Artikel in meiner alten Heimat am Bodensee.

Ob Eisbaden gesünder macht? Wir waren den ganzen Winter über jedenfalls beide kein einziges Mal krank. Auch Wochen später im Frühling und Sommer duschen wir immer noch ab und zu eiskalt. Und freuen uns schon auf den nächsten Winter: Wir sind bereit für den Kältekick im Freien! 

Sicher Eisbaden

Sie wollen sofort ins kalte Wasser springen? Vorsicht! Unüberlegtes und untrainiertes Eisbaden kann der Gesundheit mehr schaden als guttun. Ärzte raten Epileptikern, Schwangeren sowie Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen, Diabetes oder Bluthochdruck vom Eisbaden ab. Gehen Sie außerdem nie allein ins kalte Wasser, da die Gefahr besteht, einen Kälteschock zu erleiden.