„Klimaziele nicht durch Fracking erreichbar“

Nach langen Diskussionen sollFracking in Deutschland jetztdoch erlaubt werden. Wie kam eszu dieser Entscheidung?In Lagerstätten außerhalb vonSchiefer- und Kohleflözgesteinwird die Fracking-Technologiezum Teil schon seit den sechzigerJahren eingesetzt und darfschon heute und nach derzeit geltendemBerg- und Wasserrechtkeine Gefahr für Gesundheit undTrinkwasser hervorrufen. Hierwerden wir trotzdem noch zusätzlicheRegelungen einführenund Lücken schließen.

?Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtesbesagt, dass beimFracking die Gefährdung deroberflächennahen Wasservorkommennicht ausgeschlossenwerden kann. In den USA gabes schon Fälle mit Wasserverunreinigungen.Wie lässt sich dieseGefahr eindämmen?Wir haben die Empfehlungenaus den Studien des Umweltbundesamtsso weit wie möglichberücksichtigt. Das geplanteRegelungspaket zu Fracking folgteinem Grundsatz: Der Schutzder Gesundheit und des Trinkwassershaben absolute Priorität.Oberhalb von 3000 Metern wirdFracking in Schiefer- und Kohleflözgesteindaher grundsätzlichverboten. Möglich sein sollen lediglichwissenschaftlich begleiteteErprobungsmaßnahmen, wenndie eingesetzte Fracking-Flüssigkeitnachweislich nicht wassergefährdendist. Ausnahmsweiseist nach erfolgreichen Erprobungsmaßnahmenauch kommerziellesFracking dann zulässig,wenn eine unabhängige Expertenkommissionein positives Attesthinsichtlich Umweltauswirkungenund Erdbebensicherheitausstellt und die zuständigenBerg- und Wasserbehörden derLänder dies genehmigen. DasVotum dieser Kommission ist fürdie Genehmigungsbehörden derLänder allerdings nicht bindend.Auch beim konventionellen Frackingim Sandgestein werden anden Stoffeinsatz und die Überwachungsehr hohe Anforderungengestellt.

Energie-Tipp

In welchen Gebieten gibt es außerdemnoch ein striktes Fracking-Verbot?Fracking wird in allen sensiblenGebieten wie Wasserschutz- undHeilquellenschutzgebieten sowiein den Einzugsbereichen von Seenund Talsperren zur Trinkwassergewinnungverboten bleiben. DieBundesländer können selbst zusätzlichweitere Trinkwassergewinnungsgebieteausweisen, indenen Fracking verboten wird.Weitere Einschränkungen gibtes außerdem für Naturparks,Naturschutzgebiete und Natura2000-Flächen.

Gibt es Möglichkeiten des schonendenFrackings?Wir verfolgen aufmerksam dieAnkündigungen, wonach bereitsFracking-Flüssigkeitenentwickeltwerden, die nicht wassergefährdendsind. Alle konkreten Angabenvon betreffenden Unternehmenzeigen bisher allerdings, dassauf wassergefährdende Stoffederzeit nicht vollständig verzichtetwerden kann.

Welche Vorteile verspricht sichdie Bundesregierung konkretvom Einsatz des Frackings?Erdgas-Fracking kann – andersals vielleicht in den USA – inDeutschland keinen substanziellenBeitrag zu unserer Energieversorgungleisten. Weder dieReduzierung unserer Abhängigkeitvon Energieimporten nochunsere Klimaziele werden wirdurch den Aufbau einer kostenintensivenFracking-Infrastrukturerreichen. Langfristig erreichenwir dies nur durch den konsequentenAusbau der erneuerbarenEnergien und die Steigerungder Energieeffizienz.

Die Fracking-Frage

Fracking polarisiert: Es gibt glühende Befürworter in Energiekonzernen, skeptischeStimmen etwa von Wasserversorgern und entschiedene Kritiker. BesondersUmweltverbände sind entrüstet, denn Fracking soll bald auch in Deutschlandmöglich sein. Umweltministerin Hendricks meint: „Auch wenn ich mirkeine Vorteile vom Fracking verspreche, kann ich es Forschung und Wissenschaftnicht verbieten, die Technik weiterzuentwickeln. Dagegen stehen derverfassungsrechtliche Grundsatz der Forschungsfreiheit und Verhältnismäßigkeit.“

Barbara Hendricks (SPD) wurde 1952 in Kleve geboren, studierte Geschichteund Sozialwissenschaften in Bonn. Von 1998 bis 2007 arbeitete sieals Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium,seit 2013ist sie Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.