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Energie von der Pfanne

Ein Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen hat eine Solardachpfanne entwickelt, die neben Strom auch Wärme erzeugt. Die erwärmte Luft lässt sich über eine angeschlossene Wärmepumpe zum Heizen nutzen.

Immer mehr Haushalte setzen auf die Kraft der Sonne: Eine Photovoltaik (PV)-Anlage auf dem Dach erzeugt umweltfreundlich Strom für den eigenen Gebrauch, überschüssige Energie fließt ins Netz. Was aber, wenn große Solarmodule aufgrund der Dachgeometrie oder des Denkmalschutzes nicht installiert werden können? Eine Alternative sind Solarziegel, die die herkömmliche Dacheindeckung ersetzen.

Paxos Solar, ein Unternehmen aus Langenfeld nördlich von Köln, hat eine Solardachpfanne aus Siliziumkristall entwickelt, die noch mehr kann: Sie liefert neben Strom auch Wärme. „Nachhaltige Energieerzeugung ist das Gebot der Stunde. Solardachpfannen sind ein wichtiger Teil der Lösung“, ist Julian Münzberg, Projektleiter bei Paxos Solar, überzeugt. 

In einem Dauertest mit der Technischen Hochschule Köln nahm die Forschungsgruppe die Eigenschaften der Solardachpfanne unter die Lupe. Das Ergebnis: Sie ist begehbar, recyclingfähig, hitze- und wetterbeständig, leistet Brandschutz, hat eine lange Lebensdauer und erzeugt auf gleicher Fläche ähnlich viel Strom wie eine herkömmliche PV-Anlage. 

Energie zum Heizen

Im Gegensatz zu klassischen PV-Modulen, die vom Wind gekühlt werden, verlieren Solarziegel bei Überhitzung jedoch mit der Zeit an Leistung. Die Solardachpfannen von Paxos Solar sind so konstruiert, dass sie vom Wind unterströmt werden, die Luftzirkulation kühlt die Pfannen. Zusätzlich kann die erwärmte Luft über eine angeschlossene Wärmepumpe zum Heizen verwendet werden oder die Warmwasserbereitung unterstützen. Dank der genutzten Abwärme benötigt die Wärmepumpe laut dem Unternehmen im Jahresdurchschnitt rund 25 Prozent weniger Strom. 

Die neueste Entwicklung von Paxos Solar ist ein Multi-Energie-Dach: Auf einer Unterkonstruktion aus Trapezblech lassen sich unterschiedliche Solarziegel montieren, Luftkanäle sorgen für Kühlung. Hier kommt zum Beispiel ein Solar-Biberschwanz-Dachziegel zum Einsatz – eine Variante, die besonders für historische Gebäude interessant ist. „Mit unseren Produkten wollen wir Entwicklung und Produktion von PV-Anlagen ein Stück weit zurück nach Deutschland holen“, erklärt Guido Schumacher, Leiter des Projektmanagements bei Paxos Solar.

Die Patente für ihre Solardachpfanne hat das Unternehmen an einen Schweizer PV-Hersteller verkauft, die Markteinführung ist für das zweite Halbjahr 2023 geplant. Die Produktion des Multienergiedaches nimmt Paxos dagegen selbst in Angriff, es soll ab 2024 erhältlich sein.