Berufe mit Zukunft

Die Energiewende verändert die Energiebranche und mit ihr die Arbeit. Fünf Beispiele im Kurzporträt.

1. Speicherprofi: FORSCHER/IN FÜR ENERGIETECHNIK

Schon als Kind spielte Cristiano Teixeira Boura gern mit Sand, heute versucht er Sonnenwärme in dem Material zu speichern. Der Diplom-Ingenieur arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Solar-Institut Jülich der FH Aachen und erforscht eine neue Speichertechnik, bei der Solarenergie jederzeit abgerufen werden kann, auch bei schlechtem Wetter und nachts. Dazu entwickelt er Methoden, Software, Tests und Versuche. Sein Beruf setzt voraus, systematisch und analytisch denken zu können. Teixeira Boura studierte nach dem Abitur Zukunftsenergien sowie Maschinenbau mit Spezialrichtung Energietechnik in Bochum. Sein Ziel: die Energieversorgung der Zukunft sicherstellen!

Anzeige

2. Wärmegeber: DACHDECKER/IN

Christoph Schmidt steigt gern jemandem aufs Dach, natürlich nur beruflich. Der Mittdreißiger baute nach Lehre und Meisterbrief einen erfolgreichen Dachdeckerbetrieb mit mehreren Angestellten auf. Schmidt merkt jeden Tag, wie sich sein Gewerbe verändert, denn durch die Energiewende mausert sich einer der ältesten Handwerksberufe zum innovativen Arbeitsfeld. Seine Mitarbeiter decken zwar immer noch Dächer und Wandflächen mit Schindeln, Schiefer oder Ziegeln ein. Zum Aufgabengebiet gehören inzwischen aber auch Wärmedämmarbeiten nach der Energieeinsparverordnung, die Installation von Photovoltaik- und Solarthermieanlagen oder der Aufbau von begrünten Dächern. Dachdecker Schmidt findet das gut, denn seine Arbeit ist heute viel interessanter und vielseitiger.

3. Vorreiter: KFZ-MECHATRONIKER/IN FÜR SYSTEM- UND HOCHVOLTTECHNIK

Wer früher Benzin im Blut hatte, wurde Automechaniker. Heute heißt der Beruf Kraftfahrzeugmechatroniker, und Strom ist der Treibstoff der Zukunft. Für Technik begeisterte sich Bernhard Maier schon immer, auch deshalb entschied sich der 17-Jährige für die dreieinhalbjährige Ausbildung. Kfz-Mechatroniker mit Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik werden in Zukunft unentbehrlich: Nur speziell geschulte Fachkräfte dürfen Elektromotoren sowie Elektro- und Hybridautos reparieren. Maier wartet und prüft auch die technischen Systeme der Fahrzeuge, rüstet sie mit Sonderausstattungen und Zubehör aus. Die neuen Möglichkeiten der Elektromobilität findet er „superspannend“.

4. Verknüpfer: NETZPLANER/IN

Martina Burger kennt alle Details und hat trotzdem das Ganze im Blick: Als Netzplanerin verknüpft sie Energie- und Versorgungsleitungen von Gemeinden, Städten und Regionen. Fachkräfte in der Netzplanung schaffen die nötigen Verbindungen für die Energiewende: Energiespeicher, Windräder und Solarparks brauchen Anschluss ans Stromnetz, Stromautobahnen müssen geplant werden. Das bedeutet viel Büroarbeit, aber Burger muss auch raus, vor Ort Flächen begutachten und sich den Netzaufbau überlegen. Die 29-Jährige absolvierte ein Studium der Elektrotechnik, was jedoch keine Voraussetzung für den Job ist. Auch Menschen mit anderer elektrotechnischer Ausbildung können als Netzplanerinnen und -planer arbeiten. Hauptsache, sie haben den Überblick.

Anzeige

4. Aufsteiger: SERVICETECHNIKER/IN FÜR WINDKRAFTANLAGEN

Wenn Martin Müller an seinen Arbeitsplatz kommt, gönnt er sich erst mal einen Blick über die Landschaft. Der ist vom Maschinenhaus des Windrades aus gigantisch. 150 Meter über dem Boden soll er heute Nabe, Getriebe und Generator warten. Als passionierter Kletterer kennt sich der 34-Jährige mit Seil und Karabinerhaken aus, hat weder Höhenangst noch Schwindelgefühl. Seine technische Berufsausbildung als Mechatroniker und seine Leidenschaft fürs Klettern brachten ihn auf die Idee, sich als Quereinsteiger in den Beruf zu wagen. Bei der Industrie- und Handelskammer absolvierte Müller eine mehrmonatige Weiterbildung zum Servicetechniker. Und jetzt hat er wohl einen der Arbeitsplätze mit der schönsten Aussicht.

Wissenschaftsladen Bonn

Forscher/in für Energietechnik (Foto: Wissenschaftsladen Bonn)

Simon Kraus - Fotolia

Dachdecker/in (Foto: Fotolia – Simon Kraus)

Wissenschaftsladen Bonn

KFZ-Mechatroniker/in(Foto: Wissenschaftsladen Bonn)

Wissenschaftsladen Bonn

Netzplaner/in(Foto: Wissenschaftsladen Bonn)

Wissenschaftsladen Bonn

Servicetechniker/in für Windkraftanlagen (Foto: Wissenschaftsladen Bonn)


Nachhaltige Arbeit

„Die Energiewende schafft neue Arbeitsplätze“, sagt Arbeitsmarktexperte Krischan Ostenrath vom Wissenschaftsladen Bonn. Im Interview spricht er über Studien- und Ausbildungsberufe in der Energiebranche.