Das erste Earthship in Deutschland

In Deutschland ist es das erste seiner Art, weltweit wurden schon 600 dieser ungewöhnlichen Häuser gebaut: so genannte „Earthships“, Passivhäuser, aus natürlichen und recycelten Baustoffen, möglichst unabhängig vom Strom-, Gas- und Wassernetz. Die Idee kommt von dem Amerikaner Michael Reynolds, dem Gründer der Organisation Earthship Biotecture. Seine Vision: Häuser, die sich selbst beheizen, ihr eigenes Wasser liefern und Essen produzieren. „Es braucht keine teure Technologie, recycelt seinen eigenen Abfall, hat seine eigenen Energiequellen. Es kann überall und von jedem gebaut werden, aus Dingen, die unsere Gesellschaft wegwirft“, so der Visionär.

Energie-Tipp

Experimentierraum für alle

Das Earthship Tempelhof bauen die zukünftigen Bewohner komplett selbst, auf dem Grund der Stiftung Schloss Tempelhof beim Baden-Württembergischen Crailsheim – inklusive Solaranlage und Regenwasserkollektor. Helfer sind den 25 Öko-Architekten immer willkommen. Als Baumaterial wird unter anderem Thermalmasse eingesetzt, also Erde und Wasser in versiegelten Glasflaschen. Diese Konstruktion speichert die Wärme vom Tag und gibt sie in der Nacht an den Raum ab.

Batterien sollen die Bewohner auch nachts mit Strom versorgen. Das eigene Gewächshaus wird mit Grauwasser gespeist. Trotz der „einfachen“ Baumaterialien kostet das Haus, dessen Zentrum ein großer Gemeinschaftsraum bildet, mit knapp 300.000 Euro eine ganze Menge Geld. Darin stecken neben den Planungskosten auch der Innenausbau und die Flug- sowie Crewkosten für die amerikanischen Helfer, die dem deutschen Team mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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Zusammen für die Umwelt

Einen Großteil der Summe haben die „Bauherren“ selbst aufgebracht, den Rest finanzieren sie mit Spenden von Gleichgesinnten. Die können übrigens nicht nur Geld spenden: Auch alte Autoreifen und bunte Glasflaschen werden noch gebraucht. Bei ihrem Projekt unterstützt werden die Earthship-Mitglieder vom Lehrstuhl für Bauphysik der Uni Stuttgart. Die gewonnenen Daten sollen in die zukünftigen Entwicklung fortschrittlicher, autarker Earthships einfließen. Die Stiftung und Genossenschaft Schloss Tempelhof sieht das Objekt als praktischen Lernort, in dem Öffentlichkeits- und Bauseminare stattfinden sollen. Das soll den Naturschutz und die Landschaftspflege durch die Verbreitung ökologischer Bauweisen fördern, das Bewusstsein über nachhaltiges Bauen schärfen und zum Nachahmen inspirieren.