Der mit dem Wind tanzt

In Schutzanzug mit Klettergeschirr und Helm steigt Philipp Weyde die Leiter im Inneren des Stahlturmes nach oben. Sie endet in 78 Metern Höhe auf der Turbinenkanzel eines Windrads. Dort hängt er sein Sicherungsseil an einer Öse im Boden ein. „Höhenangst darf man hier keine haben“, ruft der 27-Jährige munter gegen die tobende Luft. Vor ihm rasen die Rotorflügel vorbei, deren Spitzen sich bei starkem Wind auf die Formel-1-Geschwindigkeit von bis zu 300 Stundenkilometern beschleunigen. Weyde schuftet an der Energiezukunft Deutschlands, prüft elektrische Kontakte, kontrolliert Messgeräte und fettet Gelenke ein.

Philipp Weyde arbeitet als „Servicetechniker für Windenergieanlagen“ in einem Windpark. Er montiert, wartet und repariert die riesigen Windräder, welche die Energiewende in der Bundesrepublik sichern sollen. Über 21 600 Windräder mit einer Gesamtleistung von 25 Gigawatt drehen sich bereits in Deutschland. Das ist mehr installierte Leistung als alle Atomkraftwerke hierzulande zusammen besitzen.

Energie-TippArbeit

Jobmotor Windenergie

Um die Energiewende zu schaffen, braucht es aber noch mehr Windkraftanlagen. Das Konzept der Bundesregierung zur Energieversorgung im Jahr 2050 sieht vor, dass Windkraft bis dahin die Hälfte des Stroms produzieren soll. Das entspricht etwa einer Leistung von etwa 85 Gigawatt. Das wäre mehr als dreimal so viel Strom wie der Wind heute liefert. Deshalb gilt Windenergie als Schlüsseltechnologie zum Atomausstieg. Dazu braucht es Spezialisten wie Weyde.

Mehr als 96 000 Menschen arbeiten bereits in der Windenergiebranche. Nach Berechnungen des Bundesministeriums für Umwelt wird ihre Zahl innerhalb der nächsten neun Jahre auf über 110 000 steigen. Schon jetzt suchen Betreiber von Windkraftanlagen händeringend nach Fachkräften. Für Offshore-Anlagen weit draußen auf dem Meer ebenso wie für Windkraftparks an Land, wie sie inzwischen in fast allen Regionen Deutschlands zu finden sind.

Energie-TippAllein

Servicetechniker werden überall gebraucht

Über seine berufliche Zukunft muss sich Weyde keine Gedanken machen. Er überlegt lieber, für ein paar Jahre ins Ausland zu gehen, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Nach England vielleicht oder China? Er kann sich‘s aussuchen, denn seine Firma vertreibt ihre Windkraftanlagen weltweit. „Servicetechniker werden überall gebraucht“, ruft Philipp Weyde und arbeitet weiter an der Energiewende.