Gefiederte Rotorblätter

Zu hoch und zu laut – das sind Kritikpunkte mit denen Windkraftanlagen häufig zu kämpfen haben. Während sich an der Höhe in naher Zukunft wenig ändern wird, könnte sich ihr Geräuschpegel massiv reduzieren. Denn Windkraftanlagen sollen schon bald lautlos sein – zumindest nach Aussagen von Forschern der Universität Cambridge. Sie haben eine neue Beschichtung für die Blätter von Windturbinen entwickelt. Die Inspirationsquelle für ihre technische Neuerung ist die Eule. Denn sie hat nicht nur scharfe Augen, sondern auch äußerst raffinierte Flügel, die es ihr erlauben bei ihrer Jagd nach Mäusen und anderen Nagern vollkommen lautlos durch die Luft zu gleiten.

Kein anderes Tier hat eine so ausgefeilte Flügelstruktur, so Professor Nigel Peake von der Fakultät für Angewandte Mathematik und Theoretische Physik. Die Struktur der Flügel reduziert die Geräusche indem sie den Luftzug so geschmeidig über das Gefieder gleiten lässt, dass kein Laut entsteht.

Federn unter der Lupe

Peake untersuchte zusammen mit einem Forscherteam die Flügel der Eule unter einem hochauflösenden Mikroskop und entdeckte, dass sie rundherum mit einer flauschigen Schicht bedeckt sind. Die Flügel bestehen am oberen Ende aus einem Borstenkamm. Lange elastische Federn dämpfen die Geräusche.

Die Wissenschaftler übertrugen ihre neuen Erkenntnisse auf das Windrad. Was sie sich ausdachten ist eine poröse Beschichtung aus Plastik, hergestellt mithilfe eines 3D-Druckers. Den ersten Test hat das Plastik-Gefieder schon bestanden. Es reduzierte den Geräuschpegel um 10 Dezibel, ohne die Aerodynamik im Geringsten zu beeinflussen.

Der Lärm der Windkraft

Windparks dürfen nach den Immisionsschutzrichtwerten maximal 45 Dezibel haben. Zum Vergleich: Ein anspringender Kühlschrank hat etwa 50 Dezibel, ein Gewitter im Schnitt 130 Dezibel. Selbst wenn Windräder also nicht wirklich laut sind, beschwerden sich Anwohner regelmäßig über die Lärmbelästigung. Die neue Beschichtung könnte den Windrädern daher zu mehr Beliebtheit verhelfen, so dass sie nicht mehr fernab von Wohnanlagen ihre Kreise drehen müssen.