Ladesäulen für den Mobilitätswandel

Das Förderprogramm des Bundes für den Ausbau der Ladeinfrastruktur kommt an: Viele Versorger und Gemeinden wollen mehr Stromtankstellen bauen.

Wie verhilft man der Elektromobilität zum Durchbruch? Eine schlüssige Antwort auf diese Frage wird immer dringlicher, denn die Probleme, die der Autoverkehr mit sich bringt, spitzen sich zu. Der CO2-Ausstoß geht trotz effizienterer Motoren nicht zurück, weil immer mehr Fahrzeuge unterwegs sind. Zusätzlich gefährden Stickoxide und Feinstaub die Gesundheit der Menschen. Beispiel Stuttgart: Allein von Anfang Januar bis Mitte Februar wurde dort an 31 Tagen der Grenzwert für Feinstaub überschritten. „Was wir brauchen, ist nichts Geringeres als einen Mobilitätswandel“, fordert deshalb Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Neben der Kaufprämie auf Elektroautos soll ein Förderprogramm den Ausbau der Ladeinfrastruktur anschieben.

Anzeige

Seit 1. März können Investoren, Städte und Gemeinden Mittel aus einem 300-Millionen-Euro-Förderprogramm des Bundes für die Ladeinfrastruktur beantragen. Das Verkehrsministerium will damit den Bau von 15.000 Ladesäulen anstoßen, 5.000 davon sollen für schnelles Laden ausgerüstet sein. Die Ladesäulen müssen rund um die Uhr nutzbar sein und ausschließlich regenerativen Strom bereitstellen, so die Bedingung.

Breite Zustimmung für das Förderprogramm

Das Förderprogramm stößt auf breite Zustimmung in der Energiewirtschaft, viele Energieversorger haben angekündigt, in ihrem Wirkungsbereich Ladesäulen aufzubauen. „Damit können entscheidende Weichen für die Zukunft des Gesamtsystems Elektromobilität gestellt werden“, lobt Stefan Kapferer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Das Bundesverkehrsministerium finanziert zusätzlich ein Ladenetz entlang der Autobahnen. Bis Endes des Jahres sollen im Rahmen des Projekts Schnellladenetz für Achsen und Metropolen (SLAM) 400 Stationen an Raststätten zur Verfügung stehen.

Wie viele Stromtankstellen werden gebraucht?

Mitte 2016 standen nach Erhebungen des BDEW gerade einmal 2.859 öffentlich zugängliche Ladestationen mit 6.517 Ladepunkten zur Verfügung – wirtschaftlich sind sie noch nicht, dazu gibt es zu wenige Autos. Der BDEW und die Nationale Plattform Elektromobilität gehen davon aus, dass bis 2020 etwa 70.000 Normalladepunkte und 7.000 Schnellladepunkte nötig sein werden. Eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) kam allerdings zum Ergebnis, dass 35.000 öffentliche und 4.000 Schnellladepunkte für die erhoffte Million Elektroautos bis 2020 reichen. Ganz einig sind sich die Experten also noch nicht.

Anzeige