Radfahren bei Schnee

Radfahren ist klimaschonend, gesund und spart Geld. Aber bei Schneematsch, Glätte und eisigem Fahrtwind? Wir haben die beliebtesten Ausreden überprüft.

Sperren Sie Ihr Rad auch in den Keller, wenn der Winter kommt und die Tage grauer, trister und frostiger werden? Wo es dann bis zum Frühjahr verstaubt? Keine Sorge, Sie sind nicht allein. Selbst begeisterten Pedaleuren verleiden Glätte, Frost und Schneematsch die Lust am Treten. Aber sind die Einwände, im Winter nicht aufs Rad zu steigen, berechtigt oder einfach nur bequem? Sechs beliebte Ausreden im Test.

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Zu kalt fürs Radfahren

„Da friere ich doch bloß.“ – Vielen Radfahrern wird bei kühler Luft schnell kalt. Eine Erklärung dafür liefert der „Windchill-Effekt“, auch „Windfrösteln“ genannt: Wenn die Lufttemperatur unterhalb der Körpertemperatur liegt, gibt der Körper Wärme an die Umgebung ab. Je kälter es wird, desto mehr. Der Wind beschleunigt den Effekt, da er die warme Luft in der Nähe der Hautoberfläche wegbläst. Wir empfinden die Außentemperatur dadurch beim Radeln im Winter deutlich niedriger, als sie tatsächlich ist. Zudem werden Pedale und Lenker zu Kältebrücken, sie leiten Wärme ab.

Dass wir schneller an Händen und im Gesicht frieren, ist also nicht verwunderlich. Mit Zwei-Finger-Handschuhen, durch die sich Gangschaltung und Bremsen gut bedienen lassen, sind kurze tägliche Wege aber gut zu meistern. An ganz kalten Tagen schützt eine Gesichtsmaske.

Angst vor Erkältung

„Da bin ich doch gleich erkältet.“ – Körperliche Belastung, wenn es draußen kalt ist, das kann doch nicht gesund sein? Ja und nein. Ganzjährig aktiv zu sein, stärkt das Immunsystem und kann chronischen Erkrankungen vorbeugen.

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Als Radfahrer sollten Sie trotzdem vorsichtig sein: Allzu winterliche Temperaturen, kombiniert mit extremer Belastung, nehmen Ihnen die Bronchien übel. Passen Sie Fahrtempo und -belastung so an, dass Sie noch gut durch die Nase ein- und ausatmen können und nicht durch den Mund atmen müssen. Beim Atmen durch die Nase wird die Luft nämlich etwas angewärmt, bevor sie in die Bronchien gelangt. Wenn Sie nicht gerade einen Zeitfahrrekord anstreben, sind ebene Strecken also kein Problem. Zudem haben Sie als Radfahrer einen entscheidenden Vorteil: Während im Winter in öffentlichen Verkehrsmitteln die Keime umherschwirren, sind Sie auf dem Radweg vor ihnen sicher.

Rutschgefahr

„Da rutsche ich doch sowieso nur aus.“ – Viele Radfahrer sorgen sich, während der Fahrt auf nassem oder glattem Boden auszurutschen und sich zu verletzen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) empfiehlt: Abstand halten und die Geschwindigkeit reduzieren. Wenn Sie bremsen müssen, dann möglichst früh und mit Bedacht. In Kurven sollten Radfahrer besonders auf festen Schneedecken oder bei Glätte weder in die Pedale treten noch bremsen.

Teure Winterausrüstung

„Die Winterausrüstung ist mir zu teuer.“ – Hochwertige Produkte, um das Rad wintertauglich zu bekommen, wie etwa Winterreifen, sind nicht ganz billig. Was tun, wenn das Budget knapp ist? Lassen Sie zum Beispiel etwas Luft aus den Reifen. Das kostet nichts und durch die breitere Auflagefläche bekommen sie mehr Halt auf der Fahrbahn. Wer sich trotzdem noch instabil auf dem Rad fühlt, dem rät der ADFC, den Sattel abzusenken. Dadurch verbessert sich die Stabilität. Nicht sparen sollten Sie allerdings an einer guten Beleuchtung!

Verschneite Radwege

„Auf dem Radweg liegt doch der ganze Schnee von der Straße.“ – Die Straßen sind zwar meist rasch freigeräumt, dafür landet der Schnee dann aber oft auf den Bürgersteigen und Radwegen. Zwar sind Städte und Gemeinden per Gerichtsbeschluss verpflichtet, „verkehrswichtige“ Radwege innerorts zu räumen und zu streuen, das passiert jedoch oft erst spät. Ist der Radweg weder gestreut noch geräumt, dürfen Radfahrer auf die Straße ausweichen. Ob Autos beim Überholen wie vorgeschrieben die mindestens eineinhalb Meter Abstand halten, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Viel Zeit

„Da brauche ich doch ewig.“ – Radfahrer müssen ihr Fahrtempo an die Wetterlage anpassen – Auto- und Busfahrer aber auch. Wer im überfüllten Bus, Schulter an Schulter mit anderen Fahrgästen, einen Blick nach draußen erhascht, blickt oft auf leere Radwege, ganz anders als im Sommer.

Radfahren im Winter? Das Fazit

Mit der richtigen Ausrüstung und Fahrweise sind Minusgrade beim Radfahren kein Hindernis. Zwar ist es kälter und etwas ungemütlicher, Schneemassen und Eisglätte bleiben aber die Ausnahme. Bei extremen Wetterverhältnissen sollten sich Radfahrer vorsichtig herantasten und die Vernunft entscheiden lassen. Nur den Kampf gegen den inneren Schweinehund muss jeder für sich selbst gewinnen.

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