Weniger Zeit am Handy

Unsere Social Media Managerin Lisa hat ein Wochenende ohne Handy versucht. Eine Digitale Auszeit mit neuen Erkenntnissen.

Freitagabend. Mein Mann und ich haben es uns gerade auf dem Sofa gemütlich gemacht und unsere neue Lieblingsserie gestartet, als mich mein Smartphone mit einem „Pling“ über eine neue Nachricht informiert. Ganz automatisch gucke ich nach. Ich wurde einer WhatsApp-Gruppe namens „Geburtstag Jule“ hinzugefügt. Ob wir uns für ein Geschenk zusammentun, will eine Freundin von mir und sechs weiteren Gruppenmitgliedern wissen. „Ja, klar! Gibt’s schon Ideen?“, tippe ich schnell an die Runde und widme mich wieder der Serie.
Pling! Pling! Pling! Die ersten Antworten auf meine Antwort kommen sofort. „Willst du jetzt die Serie sehen oder lieber deinen Freundinnen schreiben?“, erkundigt sich mein Mann genervt. Ich fühle mich ertappt. Zwar halte ich das Smartphone für eine tolle Erfindung – manchmal lenkt es mich aber von dem ab, was ich eigentlich gerade tun wollte. Stattdessen checke ich Facebook, Instagram, Twitter, WhatsApp oder die Schlagzeilen. Manchmal schaue ich aufs Display, obwohl ich gar nichts brauche. Aus Gewohnheit. Oder weil ich sicherstellen will, in der Zwischenzeit nichts verpasst zu haben.

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Handy aus lassen

Aber: Jules Geburtstag ist erst nächstes Wochenende, das Geschenk kann warten. Um dem reflexartigen Griff zum Handy vorzubeugen, schalte ich es einfach aus. Erkenntnis des Abends: Serien machen mehr Spaß, wenn man nicht ständig aufs Handy guckt und einem die Hälfte der Handlung entgeht. Ich nehme mir vor, das Smartphone an diesem Wochenende auszulassen. Man nennt das „Digital Detox“ – digitale Entgiftung.

Auszeit vom Handy

Am nächsten Morgen kratzt mein Hals. Kündigt sich da etwa eine Erkältung an? Ich will schauen, wie lange die Apotheke am Samstag geöffnet hat und taste nach meinem Handy auf dem Nachttisch. Als der Bildschirm schwarz bleibt, fällt mir wieder ein: Ich hab’s ja ausgemacht … Eigentlich ein ganz gutes Gefühl. Okay, dann ziehe ich halt ohne Online-Check der Öffnungszeiten los – es sollte ja noch früh genug sein. Tatsächlich öffnet sich die Schiebetüre der Apotheke und ich bekomme meine Halsschmerztabletten. Auf dem Heimweg entdecke ich sogar noch eine hübsche Geburtstagskarte für Jule. Notiz an mich: Es lohnt sich, den Blick zwischendurch wandern zu lassen statt ihn stur auf eine leuchtende kleine Scheibe zu heften.

Zurück zu Hause, mache ich es mir mit einer heißen Tasse Tee gemütlich. Während mein Mann mit einem Freund unterwegs ist, will ich die Zeit für mich genießen, mich ausruhen, vielleicht ein Buch lesen. Das Ende vom Lied: Ich langweile mich – und hole schließlich doch mein Handy. Ein Rückfall, klar – aber manchmal ist so ein Smartphone einfach der ideale Zeitvertreib. Ich beantworte ein paar Nachrichten, erfahre, was wir Jule schenken werden und überweise gleich das Geld dafür. Ich scrolle mich durch inspirierende Instagram-Accounts mit Einrichtungstipps, recherchiere Bastelanleitungen auf YouTube und lache über lustige Tweets. Die Zeit vergeht im Nu.

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Nachmittags telefoniere ich mit meiner Schwiegermama in Kanada. Dank „Facetime“ ist es, als würden wir uns gegenüber sitzen, dabei trennen uns mehrere Tausend Kilometer. Ich finde: So sehr das Smartphone mich manchmal im Griff hat, so viele Vorteile bietet es mir auch. Den Sonntag verbringe ich trotzdem offline. Zum Spaziergang nehme ich mein Smartphone gar nicht erst mit. Wofür sollte ich es da brauchen? Unterwegs ärgere ich mich für einen kurzen Moment, dass ich keine Fotos schießen kann – das Licht ist wunderschön heute, ideal für winterliche Motive. Aber genauso schön finde ich es, ohne Ablenkung den Augenblick zu genießen.
Richtig stolz bin ich, dass ich es schaffe, mein Smartphone auch abends im Bett nicht anzuschalten. Meistens checke ich vor dem Einschlafen schnell meine E-Mails. Heute nicht.

Handyfreie Zonen

Fazit: Das Handy begleitet mich in fast allen Lebenslagen – auch, wenn ich es nicht brauche. Dabei helfen simple Tricks gegen aufplingende Störungen: das Handy beim Essen aus der Küche verbannen. Es beim Treffen mit Freunden in der Tasche lassen. Sich einen Notizblock zulegen. Oder sogar einen Wecker – und das Schlafzimmer zur handyfreien Zone erklären. Das würde einige Blicke auf den Bildschirm sparen. In vielen Situationen bin ich allerdings sehr froh über mein Smartphone. Was haben wir früher eigentlich ohne gemacht?  

Smartphone-Apps gegen Smartphones

Klingt komisch, gibt es aber: Apps, die einem helfen, weniger Apps zu nutzen. „App-Detox“ zeigt, wie lange Apps verwendet und wie oft sie gestartet werden. Wer merkt, dass etwa Instagram zu viel Zeit frisst, setzt sich eine zeitliche Höchstgrenze. Die App „Forest“ wirkt wie ein Spiel: Wer etwas Wichtiges erledigen oder sich einfach nur von seinem Handy fernhalten möchte, pflanzt mit der App einen Baum auf dem Display. Die Wachstumsphase dauert 30 Minuten. Wird währenddessen eine andere App genutzt, geht der Baum ein.

Man kann nicht nur Handy-Fasten sondern auch Strom oder Plastik. Unsere Alltagschecks zeigen, wie das fuktioniert.