Eine Woche ohne Plastik

Plastik ist eine langlebige Substanz. Und überall zu finden. Ist es möglich, im Alltag darauf zu verzichten? Maria, eine Studentin, hat es ausprobiert.

Plastik? Müsste man eigentlich boykottieren. Aber dann, im Supermarkt, landen sie doch wieder im Einkaufswagen, all die in Kunststoff verpackten Produkte, die ich immer schon gekauft habe – aus Gewohnheit und Bequemlichkeit. Das will ich jetzt aber nicht mehr. Ich will bewusster einkaufen. Ein Selbstversuch: sieben Tage plastikfrei – geht das? Zum Einkaufen nehme ich beim nächsten Mal einen Stoffbeutel, ein Gemüsenetz und eine Tupperdose mit. Denn wenn es stimmt, was ich bei meiner Internetrecherche gelesen habe, dann haben viele Supermärkte nichts dagegen, Frischwurst oder Käse in eine von zu Hause mitgebrachte Dose zu legen, anstatt sie in mehrere Schichten Plastik zu wickeln. Und weil in meinem Kühlschrank gerade gähnende Leere herrscht und es auch in meinem kleinen Vorratsschrank traurig aussieht, starte ich den Versuch.

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Das Experiment beginnt

Heute hätte ich Lust auf Tomaten mit Mozzarella und Baguette. Was ich sonst noch so brauche, schreibe ich mir auf meinen Einkaufszettel. Mein erstes Ziel: der Supermarkt um die Ecke. Tomaten gibt es hier in allen erdenklichen Formen: groß, klein, rund, eierförmig, gestreift, gelb, grün, braun. Sie kommen aus Italien, Holland und sogar aus der Region. Das Problem: Gerade die ausgefallenen und meist wohlschmeckenden Tomatensorten gibt es oft nur in Plastik ummantelten Kunststoffschalen. Unverpackt sind nur solche, die meist aus dem Treibhaus kommen und nach nicht allzuviel schmecken. Das ist bei anderem Gemüse ähnlich. Und wie sieht es beim Mozzarella aus? Den kenne ich nur in Plastik. Aber vielleicht gibt es ihn auch an der Käsetheke? Nein, sagt mir die Verkäuferin, aber ich könne es ja mal auf dem Wochenmarkt versuchen.

Gute Idee, da war ich wirklich lange nicht und Plastiktüten spielen bei regionalen Produkten sicher eine geringere Rolle als im Supermarkt. Der Besuch lohnt sich: Die Bauern kommen aus der Gegend, sie sind nett, lassen mich vieles probieren und Obst wie Gemüse packen sie in Papiertüten. Ich kaufe ein paar knallrote Tomaten, ein bisschen Feldsalat, vier Zwiebeln und drei Birnen. Die Preise sind zivil, einen großen Unterschied zum Supermarkt kann ich nicht feststellen. Ein Brot bekomme ich auch noch, ebenfalls in einer Papiertüte. Nur Mozzarella ohne Plastik gibt’s leider auch am Käsewagen nicht – schon ausverkauft. Stattdessen entscheide ich mich für frische Butter, die mir die Käsefrau nach dem Wiegen direkt in meine Tupperdose legt.

Wenn’s um den Essenseinkauf geht, dann klappt der Verzicht auf Plastik erstaunlich gut. Aber wie sieht es in Sachen Körperpflege aus? Ich brauche dringend neue Zahnpasta!

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Und nachher Zähneputzen

Als erstes steuere ich einen Bioladen an. Das Angebot ist groß, aber Zahnpasta ohne Plastikverpackung bekomme ich dort nicht. Mehr Glück habe ich in einem dieser neuen Unverpackt-Läden. Diese Shops bieten alle Waren ohne Verpackung an oder sie nutzen wiederverwertbare Pfandbehälter. Hier finde ich auch Zahnpflege-Tabletten im Glas, mit oder ohne Fluorid. Die freundliche Verkäuferin sagt mir, wie das funktioniert: einfach eine Tablette kauen, bis es leicht schäumt, dann zur Zahnbürste greifen und wie immer putzen. Shampoo und Duschgel packe ich auch ein – beide sehen wie ein Stück Seife aus. Bei anderen Produkten halte ich mich zurück – nicht nur, weil ich keine passenden Behälter dabei habe. Viele Angebote sind vergleichsweise teuer und sprengen mein studentisches Budget. Aber es gibt Alternativen und das finde ich richtig gut: Hier liegen Bücher aus, in denen steht, wie man viele alltägliche Produkte wie Deo, Duschgel oder Reinigungsmittel selber machen kann!

Mein Fazit

Eine Woche ohne Plastik – das war eigentlich viel leichter, als ich vorher dachte! Ich fand es erschreckend, dass man oft gar nicht mehr merkt, wie viele Lebensmittel in Plastik eingepackt sind. Deswegen will ich auch mit dem bewussteren Einkaufen weitermachen. Einen Coffee to go lasse ich mir zum Beispiel nur noch in meinen Bambus-Becher füllen, für meine Kaffeemaschine habe ich mir wiederverwertbare Edelstahlkapseln besorgt. Mein Gemüse kaufe ich künftig nur noch auf dem Markt und Kräuter ziehe ich auf der Fensterbank. Das neuartige Zähneputzen klappt ebenfalls richtig gut. Vielleicht schaffe ich es noch nicht, jeden Tag ohne Plastik zu gestalten – aber ich arbeite auf jeden Fall daran! 


Besser so: Licht-Label statt Plastik

Bio-Bananen oder Bio-Süßkar­toffeln müssen nicht in Plastikfolie stecken – es geht auch anders! Zum Beispiel mit „Natürlichem Labeling“, bei dem ein hochauflösender, gebündelter Lichtstrahl einen Teil der Pigmente in der äußersten Schale von Gemüse und Früchten entfernt. Zurück bleibt eine dauerhafte Markierung, zum Beispiel ein Bio-Logo. In Plastik muss dann nichts mehr gewickelt werden. Entwickelt hat das Verfahren Nature & More, ein holländischer Bio-Händler.