So gesund ist Leitungswasser

Leitungswasser ist häufig gesünder als Mineralwasser. Das bestätigt die Stiftung Warentest. Kein Wunder: Es unterliegt strengeren Bestimmungen.

Volvic, Evian, Vitell – stille Wasser sind beliebt. Dabei ist Leitungswasser oft viel gesünder. Das bestätigt auch ein Test der Stiftung Warentest. Das Ergebnis: Keines der 30 getesteten Mineralwässer ist besser als Leitungswasser. Anders ausgedrückt: Flaschen schleppen lohnt sich nicht. Wer stilles Wasser will, sollte auf Leitungswasser zurückgreifen.

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Leitungswasser gesünder als Mineralwasser?

Viele der 30 von der Stiftung Warentest untersuchten Proben von Mineralwasser wiesen Mängel auf: zu viele Keime, zu schlecht gekennzeichnet und zu wenig Mineralstoffe. Magnesium, Kalzium und Natrium sind trotz des Namens Mineralwasser in knapp der Hälfte kaum enthalten. Ein weiterer Mangel wurde im Test deutlich: In 6 der 30 Flaschen fanden die Tester Keime. Diese seien zwar für Gesunde kein Problem, für Immunschwache und Babys aber unter Umständen bedenklich, so der Bericht. Auch chemische Rückstände konnten in fünf der Mineralwässer gefunden werden. Das Fazit der Tester: Sowohl Mineralwasser als auch Leitungswasser sind nicht komplett schadstofffrei. Jedoch ist Leitungswasser um ein vielfaches billiger (ca. 85 Cent für 500 Liter) und belastet die Umwelt weitaus weniger. (Hier zum großen Wassercheck der Stiftung Warentest)

Was genau ist Mineralwasser überhaupt?

Mineralwasser kommt natürlich gefiltert immer aus einer Mineralwasserquelle mit natürlichen Mineralstoffen. Sie muss amtlich anerkannt sein und ist ein Wasserreservoir in tiefen Gesteinsschichten. Man darf das Wasser nur enteisen, entschwefeln und Kohlensäure hinzufügen oder entfernen.

Wasser ist auch ein inneres Reinigungsmittel für unseren Körper. Es schwemmt und löst Schadstoffe aus uns heraus. Und: Je weniger Mineralstoffe das Wasser enthält, desto effizienter reinigen diese den Körper. So können sie dann mehr Schadstoffe aufnehmen und ausschwemmen.

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Natrium im Wasser gesund oder ungesund?

Mineralstoffe sind trotzdem gut für uns. Sie werden von unserem Körper gebraucht und meistens ausreichend über die Nahrung aufgenommen. Auch Natrium. Natriumchlorid (Kochsalz) etwa ist in sehr vielen Lebensmitteln enthalten, sollte aber von Menschen mit Bluthochdruck oder Neigungen zu Herzkreislauferkrankungen eingeschränkt genossen werden. Deswegen empfiehlt sich für diese Menschen, zusätzlich zu einer natriumarmen Diät, natriumarmes Wasser mit weniger als 20 mg Natrium pro Liter.

Mineralwasserverordnung ist nicht gleich Trinkwasserverordnung

Im Gegensatz zum Mineralwasser schneidet das Leitungswasser aus deutschen Werken seit Jahren fast ausnahmslos gut ab – sowohl beim Mineralstoffgehalt als auch bei der geringen Verkeimung. Das bestätigt auch der aktuelle Bericht zur Trinkwasserqualität des Umweltbundesamtes: Das Trinkwasser aus den ca. 2.490 berichtspflichtigen Wasserversorgungen in Deutschland hat eine gute bis sehr gute Qualität.

Ein entscheidender Unterschied: Sowohl Mineral-, als auch Trinkwasserverordnung schreiben zwar vor, dass Wasser keine Krankheitserreger, Spuren von Schwermetallen oder andere gesundheitsschädigende Stoffe enthalten darf. Trotzdem weicht die Mineralwasserverordnung erheblich von der Trinkwasserverordnung ab. So wird Mineralwasser beispielsweise nicht auf Pestizide oder Nitrat untersucht. Außerdem finden weniger Tests statt und es sind höhere Grenzwerte an bedenklichen Inhaltsstoffen erlaubt.

Trinkwasserverordnung mit klaren Vorgaben

Deshalb können wir sicher sein, dass unser wichtigster Rohstoff in hervorragender Qualität aus der Leitung kommt, wenn wir den Wasserhahn aufdrehen. Die Trinkwasserverordnung legt außerdem fest, wie das Trinkwassers beschaffen sein muss, nämlich klar, farblos, geruchlos, geschmacklich einwandfrei und ohne jegliche gesundheitsschädigenden Eigenschaften. Ferner ist hier geregelt, was die Pflichten der Wasserversorger sind und wie das Trinkwasser überwacht werden muss.

Sauberes Trinkwasser durch Tests

Ob die Trinkwasserverordnung eingehalten wird, überprüfen die Gesundheitsämter. Chemische und bakteriologische Untersuchungen garantieren beste Wasserqualität. Vor allem für schädliche Substanzen wie Nitrat, Blei oder Chlorid gibt es strenge Grenzwerte. Wird ein Grenzwert überschritten, schlägt das zuständige Amt Alarm und ordnet Maßnahmen an. Der Wasserversorger bereitet das Trinkwasser dann gründlich auf, bis es wieder den strengen Vorgaben genügt. Nach dem Hochwasser im Sommer 2016 war es in einigen Gemeinden notwendig, genau so zu verfahren.

Auch Hausbesitzer in der Pflicht

Auch die Hausbesitzer tragen Verantwortung für die Qualität. Sie müssen dafür sorgen, dass das vom Versorger angelieferte Trinkwasser nicht durch veraltete oder beschädigte Rohre beeinträchtigt wird. Zudem sind sie verpflichtet, das Wasser in vermieteten Mehrfamilienhäusern mindestens alle drei Jahre auf Legionellen untersuchen zu lassen. All diese Maßnahmen stellen sicher, dass man sich in Deutschland das Schleppen von schweren Wasserkisten sparen kann. Denn direkt aus dem Hahn kommt Wasser von bester Qualität. 

Leitungswasser trotzdem filtern?

Trotzdem meinen viele Menschen, das Leitungswasser filtern zu müssen. Der Markt für Wasserfilter ist groß: angefangen bei Aktivkohle-Kartuschen für Wasserkannen bis hin zu solchen, die sich direkt in die Armatur einbauen oder im Wasserrohr installieren lassen. Die Hersteller versprechen, dass ihre Produkte das Wasser weicher machen und von Schadstoffen wie Nitrat befreien.

Systeme mit Aktivkohlefiltern:

Systeme, die mit Aktivkohlefiltern arbeiten, können tatsächlich bestimmte Stoffe wie etwa Medikamentenrückstände aus dem Wasser entfernen. Aber bei Kalk wirken sie meist nicht so gut wie versprochen. Hinzu kommt, dass diese Filter schnell verkeimen, wie diverse Tests ermittelt haben. Aktivkohlefilter gibt es ab 15 Euro zu kaufen. Dazu kommen die Kosten für die Kartuschen, die einmal im Monat getauscht werden sollten.

Ionenaustauscher gegen Kalk:

So genannte Ionenaustauscher sind im Einsatz gegen Kalk erfolgreicher. Nitrate können diese Systeme aber nicht beseitigen. Und auch bei ihnen besteht die Gefahr der Verkeimung. Entkalkungsanlagen, die nach dem Prinzip des Ionenaustauschers funktionieren, sind ab 800 Euro zu haben.

Umkehrosmose entzieht Mineralien:

Eine dritte Technik, das Umkehrosmose-Verfahren, reinigt das Wasser rückstandslos. Damit werden allerdings auch wichtige Mineralien entzogen. Ein weiterer Nachteil: Um die keimanfällige Membran zu säubern, benötigt man sehr viel Wasser und Energie. Umkehrosmose-Wasserfilter gibt es etwa ab 200 Euro zu kaufen.

Kannenfilter für Geschmack:

Eine hohe Wasserhärte etwa kann den Geschmack von Kaffee und Tee beeinträchtigen. Abhilfe können hier Kannenfilter schaffen. Diese füllen Sie mit Leitungswasser, lassen es kurz durchlaufen und können kurz darauf gefiltertes Wasser ausgießen – etwa in Kaffee- oder Teekannen. Achten Sie darauf, rechtzeitig die Filterkartusche zu wechseln, sonst können sich Keime aus der Luft festsetzen.

Wann sich Wasser filtern lohnt

Trinkwasser, das aus der Leitung kommt, ist eines der am besten geprüften Lebensmittel und bedarf keiner weiteren Aufbereitung. Das bestätigen Tests des Umweltbundesamts und der Stiftung Warentest immer wieder. Nur um einer starken Verkalkung vorzubeugen oder um Kaffee, Tee, etc. schmackhafter zu machen, kann sich ein Filter lohnen.

Wer soll wie viel trinken?

  • Schulkinder sollten über den Tag verteilt mindestens 1,1 Liter zu sich nehmen. Eine ausgewogene Flüssigkeitszufuhr ist dabei wichtig. Getränke, die mit Zucker angereichert wurden, sollten dabei vermieden werden. Calcium unterstützt die gesunden Knochen des Kindes.
  • Schwangere und stillende Frauen haben einen veränderten Salzhaushalt. Um den wieder auszugleichen, ist natriumhaltiges Wasser gut. Eine gute Wasserqualität sollte hier insbesondere gewährleistet sein.
  • Ältere Menschen neigen dazu, zu wenig zu trinken. Also auch unbedingt etwas trinken, wenn gar kein Durst da ist.
  • Bei geistiger Belastung, also starker Konzentration und viel geistiger Verarbeitung ist es empfehlenswert, viele kleine Mengen zu trinken. Zusätzlich unterstützt Magnesium die Nervenzellen.
  • Bei großer körperlicher Belastung gilt: sehr viel trinken. Die durch den Schweiß ausgeschiedene Flüssigkeit muss wieder ersetzt werden. Unmittelbar vor der körperlichen Anstrengung sind zu große Mengen Flüssigkeit aber fehl am Platz. Wasser mit Magnesium und Natrium sind hier empfehlenswert.

Der WDR Haushalts-Check

Der WDR hat sich 2013 in einer ausführlichen Reportage mit dem kühlen Nass beschäftigt. Die Journalistin und Hauswirtschaftsmeisterin Yvonne Willicks hat nachgeprüft, wie es um Mineralien oder Schadstoffe im Trinkwasser bestellt ist und welches Wasser wirklich gut für uns ist.