Dämmen mit Spritzpistole

Herkömmliche Dämmplatten sind oft wenig nachhaltig. Ein Forscherteam aus Franken hat nun eine Alternative entwickelt: eine Recycling-Dämmung zum Aufspritzen.

Die beste Art des Klimaschutzes ist, Energie zu sparen – etwa durch gut gedämmte Gebäude. Doch hier gibt es noch viel Luft nach oben: Wohn- und Gewerbebauten tragen in Deutschland rund ein Fünftel zu den gesamten Treibhausgasemissionen bei. Vor allem ältere Gebäude sind oft schlecht isoliert. Viele Wohnhäuser aus der Nachkriegszeit wurden gar nicht gedämmt oder nur mit dünnen Dämmplatten aus aufgeschäumtem Kunststoff verkleidet. Ihre Modernisierung geht nur langsam voran. Herkömmliche Dämmungen sind außerdem häufig aus Erdöl hergestellt und schlecht recycelbar.

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Ein interdisziplinäres Forscherteam aus Oberfranken will das ändern und die energetische Sanierung beschleunigen. Das Besondere des Dämmstoffs, den die Unternehmen Maxit, Dyneon und die Universität Bayreuth entwickelt haben: Er besteht aus sogenannten „Glass Bubbles“, mikroskopisch kleinen, hohlen Glaskugeln, die zu 90 Prozent mit Luft gefüllt sind. Dieses Teilvakuum leitet Wärme viel schlechter als ein Festkörper und sorgt so dafür, dass sie im Haus bleibt.

Gemischt werden die „Glass Bubbles“ mit einem mineralischen Klebstoff, der als Bindemittel dient. Er ähnelt Portlandzement, der am häufigsten verwendeten Zementart – doch bei seiner Herstellung entstehen rund 30 Prozent weniger CO2. Der Dämmstoff wird in bis zu 15 Zentimeter dicken Schichten auf Fassaden oder Innenwände gesprüht. Er passt sich, anders als Dämmplatten, der Fassadenform an. Friedbert Scharfe, Forschungsleiter bei Maxit, findet dafür einen schönen Vergleich: „Stellen Sie sich zwei Scheiben Brot vor. Bei einer versuche ich, sie passgenau mit Käsescheiben zu belegen. Die andere Schnitte bestreiche ich mit Schmierkäse. Was bietet wohl das lückenlosere Ergebnis?“

Roboter zum Verputzen

Der neue Dämmputz hat noch weitere Vorteile: Er lässt sich leicht und schnell verarbeiten, wird als „nicht brennbar“ eingestuft und ist gut recycelbar. Nach seiner Nutzung wird er zermahlen und wiederverwendet. Künftig will das Erfinderteam die Glaskugeln aus Altglas und somit noch nachhaltiger herstellen. Zudem laufen erste Versuche mit Robotern, die den Dämmstoff wie Sprühsahne auf Baustellen-Wände aufspritzen können. Das würde die körperlich anstrengende Arbeit des Verputzers erleichtern, den Beruf attraktiver machen und dem Fachkräftemangel in der Baubranche entgegenwirken.

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