Bereit für den Umstieg?

Immer mehr Deutsche denken darüber nach, vom Verbrenner auf ein Elektroauto umzusteigen. Doch vor dem Wechsel stellen sich viele Fragen: Genügt die Reichweite? Wo kann ich unterwegs laden? Und was ist noch mal ein Plug-in-Hybrid?

Alle großen Autohersteller bieten inzwischen Elektroautos an, die Zulassungszahlen steigen. „Die E-Mobilität ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, stellt Richard Damm, Präsident des Kraftfahrt–Bundesamtes, fest. Trotzdem sind viele Autofahrer noch unsicher, ob sie ihren Benziner oder Diesel in Rente schicken und künftig auf Elektroantrieb setzen sollen. Einige Fakten könnten die Entscheidung erleichtern.

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E-Auto, Hybrid, Plug-in-Hybrid – wo ist der Unterschied?

Reine Elektroautos werden ausschließlich von einem Elektromotor mit Batterie angetrieben. Wer sie mit Ökostrom auflädt, stößt keinerlei Emissionen aus. Hybride haben neben dem Elektro- noch einen Verbrennungsmotor an Bord. Je nach Batteriegröße können Hybride kürzere Strecken rein elektrisch zurücklegen. Während der Fahrt wird die Antriebsbatterie kontinuierlich vom Verbrennungsmotor aufgeladen. Strom gewinnen Hybride auch, indem sie Brems- und Bewegungsenergie des rollenden Fahrzeugs nutzen. Deshalb eignen sie sich besonders für den Stadtverkehr mit häufigem Stop-and-go. Auf langen Strecken nutzen Hybride meist den Verbrennungsmotor und produzieren damit Emissionen wie auch andere Benziner oder Diesel. Immer beliebter werden Plug-in-Hybride. Auch sie kombinieren Elektro- und Benzinmotor. Anders als der klassische Hybrid lässt sich der Plug-in aber über ein Stromkabel an einer Ladestation aufladen – daher der Name.

Sind Elektroautos teurer?

Ob reine E-Mobile oder Plug-in-Hybride mehr kosten als vergleichbare Verbrenner, ist nicht so einfach zu beantworten. Beim Blick auf die Listenpreise schneiden die Benziner und selbst die teuren Dieselmodelle meist besser ab als vergleichbare Elektroautos. Doch Käufer von Batteriefahrzeugen -profitieren noch mindestens bis Ende 2025 von den Umweltprämien des Bundes und der Hersteller (siehe Kasten).

Um herauszufinden, wie viel ein Fahrzeug im Laufe seines „Autolebens“ kostet, hat der ADAC im April 2021 die Vollkosten ausführlich verglichen. Dafür prüfte der Automobilclub neben dem Wertverlust auch Wartungs-, Reparatur- und Energiekosten sowie die Ausgaben für Kfz-Versicherung und -Steuer über eine durchschnittliche Haltedauer von fünf Jahren mit einer Jahresfahrleistung von 15 000 Kilometern. Die Gesamtkosten rechnete der ADAC auf einen Preis pro Kilometer um – hier schlugen sich die Elektrofahrzeuge insgesamt gut. Ein Beispiel: der VW ID.3. Das E-Mobil kommt auf 43,7 Cent pro Kilometer im Vergleich zu 51,7 Cent bei einem vergleichbar ausgestatteten VW Golf (Benziner).

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Genügt die Reichweite?

Nahezu alle neuen Elektroautos haben eine Normreichweite von mehr als 200 Kilometern, die nach einem vorgeschriebenen Testverfahren ermittelt wurde. Wagen der Mittel- und Oberklasse liegen mit Reichweiten von 300 bis mehr als 500 Kilometern deutlich darüber. Viele Hersteller bieten Fahrzeuge mit unterschiedlichen Batteriegrößen an. Kunden könne­n so entscheiden, welche Reichweite den eigenen Anforderungen entspricht. Neben der Batteriekapazität beeinflusst, wie bei Verbrennern, das eigene Nutzungsprofil die Reichweite. Nebenverbraucher wie Heizung oder Klimaanlage, aber auch hohe Geschwindigkeiten oder kalte Außentemperaturen können die Reichweite auf die Hälfte des Normwertes senken. Allerdings legen über 90 Prozent der Privat-Pkw in Deutschland täglich weniger als 80 Kilometer zurück. Neun von zehn Fahrten lassen sich also problemlos mit einem E-Mobil bewältigen, ohne dass es unterwegs nachgeladen werden muss.

Wo lade ich Strom nach?

Bei Urlaubs- oder Dienstreisen sind E-Autofahrer meist auf öffentliche Ladesäulen angewiesen. Im März 2021 gab es rund 40 000 öffentliche und teilöffentliche Ladepunkte von Energieversorgern, Parkhaus- und Parkplatzbetreibern, Supermärkten und Hotels. Jeder siebte davon war ein Schnelllader. Die Ladeinfrastruktur wächst kontinuierlich. Dazu kommt der Ausbau privater Ladesäulen: Diese sogenannten Wallboxen lassen sich in Garagen oder Carports an der Wand installieren und ermöglichen ein sicheres und schnelles Aufladen. Ihr Kauf wurde vom Bund großzügig bezuschusst, im Oktober 2021 waren die Fördermittel erschöpft. Autofahrer hängen ihr E-Mobil abends einfach zum Auftanken an die Wallbox, morgens geht’s mit vollgeladenem Akku los. Wer das Fahrzeug unterwegs aufladen will, schaltet die Ladesäule über eine Ladekarte oder App frei. Außerdem benötigt man für die meisten öffentlichen Ladesäulen noch ein griffbereites Ladekabel im Kofferraum. Nur an den Schnellladesäulen sind die Kabel fest angeschlagen.