Erneuerbare Energien: Ausblick 2019

Erneuerbare Energien sorgen auch im kommenden Jahr für eine fortschreitende Veränderung der Versorgungslandschaft – in vielerlei Hinsicht.

Wichtigste Stütze für Klimaziele

Die schlechte Nachricht vorneweg: Noch immer fehlen an vielen Stellen die Voraussetzungen, um den in Deutschland produzierten Strom aus erneuerbaren Energiequellen effizient zu nutzen. Dabei wäre das, und das wiederum ist die gute Nachricht, dringlicher denn je. Denn auch 2018 stieg der Anteil des Ökostroms an der gesamten Stromerzeugung auf ein weiteres Rekordhoch. Bei knapp über 40 Prozent liegt der jährliche Anteil laut Energy Charts des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE, was einer Steigerung von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

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Ein schnelleres Vorankommen beim Netzausbau, um die produzierten Strommengen wirklich nutzen zu können, ist aber auch aus anderen Gründen dringlich. Zum einen wäre da der Wunsch der deutschen Bevölkerung, den Kohleausstieg möglichst zügig voranzubringen. Wie ernst dieser Wunsch vielen Menschen ist, haben nicht erst die jüngsten Auseinandersetzungen um den Hambacher Forst gezeigt. Zum anderen rückt der Zeitpunkt immer näher, zu dem in Deutschland das letzte Kernkraftwerk vom Netz genommen werden soll. Ab 2022 fällt Atomenergie als Stromquelle weg und auch für den Kohlestrom ist das Ende nicht nur wegen der Meinung der Bevölkerung, sondern vor allem wegen der Regelungen des Pariser Klimaschutzabkommens in Sicht.

Sinkende EEG-Umlage

Dass die Umsetzung des Abkommens mit teilweise erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist, macht schon der Blick auf die Entwicklung der weltweiten CO2-Emissionen in diesem Jahr deutlich. Erwartet wird ein neuer Rekordwert, der sich in einem Anstieg um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr niederschlägt. Den Angaben des Global Carbon Project zufolge, das diesen Wert ermittelt hat, zählt Deutschland weiterhin zu den führenden Nationen, wenn es um den Ausstoß von Kohlendioxid geht.

Dabei haben etwa die Preise für CO2-Zertifikate im Europäischen Emissionshandel angezogen, der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) sieht darin ein Zeichen, dass dieser Handel mit Zertifikaten die gewünschte Lenkungswirkung entfalte. Zumindest im Hinblick auf die Preise für Strom aus erneuerbaren Energien ist das wohl richtig: Für das kommende Jahr geht der BEE deshalb von einer sinkenden EEG-Umlage aus, die dann bei 6,51 Cent pro Kilowattstunde liegen könnte.

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Neben den höheren Preisen für die Emissionszertifikate sind es vor allem die ebenfalls höheren Beschaffungskosten für konventionellen Strom, die zu der niedrigeren EEG-Umlage beitragen. Letztere sorgen dafür, dass die Preise an den Strombörsen wieder ansteigen. Dadurch verringert sich die Differenz zwischen dem Marktpreis für den Strom und den Einspeisetarifen, die für Strom aus erneuerbaren Energien gezahlt werden, die EEG-Umlage dient in diesem Zusammenhang dazu, die Differenz auszugleichen. Ausgenommen von dieser Regelung ist die deutsche Industrie, die von der besonderen Ausgleichsregelung profitiert. Sollte diese, wie es der Wille des BEE ist, abgeschafft werden, könnte die EEG-Umlage sogar um weitere 1,5 Cent pro Kilowattstunde gesenkt werden.

Unter diesen Voraussetzungen könnten sich private Stromkunden vielleicht endlich über sinkende Strompreise freuen. Von der für 2019 prognostizierten Senkung der EEG-Umlage kommt hingegen nicht sonderlich viel bei den Verbrauchern an. Schuld daran ist unter anderem die geplante Erhöhung der Offshore-Netzumlage, die im nächsten Jahr erstmals erhoben wird und die mit 0,416 Cent pro Kilowattstunde deutlich über der bislang geltenden Offshore-Haftungsumlage liegt. Die lag nämlich bei lediglich 0,037 Cent pro Kilowattstunde. Außerdem ist mit höheren Netzentgelten zu rechnen, was für Verbraucher unter dem Strich leicht steigende Strompreise bedeutet.

An die Zukunft denken

Um nachhaltig die Energiekosten zu senken, bleibt Verbrauchern daher prinzipiell nur der Weg über eine energetische Aufrüstung. Im Bereich der regenerativen Stromerzeugung für private Haushalte kommen dafür Photovoltaikanlagen in Frage, deren Einsatz sich selbst sinkenden Einspeisetarifen noch lohnt, weil gleichzeitig die Investitionskosten weiter sinken, in den vergangenen 25 Jahren um schätzungsweise 96 Prozent. PV-Anlagen bleiben deshalb weiterhin eine klimaschonende und effiziente Option für Ein- und Zweifamilienhäuser, sofern die Voraussetzungen für eine Installation ausreichend gut sind. Wie bei allen Formen erneuerbarer Energien lässt sich auch der Solarstrom am effizientesten in Verbindung mit einer Speicherlösung nutzen, um etwa jahreszeitliche Schwankungen ausgleichen zu können.

Um eine Verbesserung der Effizienz bei der Bereitstellung und Nutzung von erneuerbaren Energien auf der Ebene des Gesamtenergiesystems kümmert sich der ForschungsVerbund Erneuerbare Energien (FVEE). Die bundesweit vernetzte Kooperation von verschiedenen Forschungsinstituten besteht bereits seit 1990 und forscht seither in allen Bereichen der erneuerbaren Energien, mit dem Ziel, die Energiewende entscheidend voranzutreiben.

Das Programm zu den Forschungszielen 2019 zeigt dabei unter anderem, welch hohen Stellenwert Photovoltaik bei diesen Forschungen hat: 21 Prozent des verfügbaren Forschungspersonals untersuchen die Potenziale der Energiegewinnung aus Sonnenenergie. Zu den Zielen des Forschungsverbundes gehört aber nicht nur die Frage danach, wie die erneuerbaren Energien insgesamt effizienter gewonnen und genutzt werden können. Übergreifend geht es um die Themen, die langfristig für ein Gelingen der angestrebten Energiewende unerlässlich sind. Sie reichen daher vom Klimaschutz über die Versorgungssicherheit bis hin zu den Analysen, wie die gewonnenen Erkenntnisse und die daraus resultierenden technologischen Neuerungen am besten in die Gesellschaft eingebracht werden können. Gleichzeitig liegt der Fokus in jedem der zahlreichen Forschungsfelder natürlich darauf, den Energiesektor als solchen im Sinne der Nachhaltigkeit zu verändern.